Zwischen Pandemiefolgen  und Energiepreiskrise – Verbraucherzentralen im Kreis Unna stellen Jahresberichte 2021 vor

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(Foto: © Th.Schmithausen)

Auch zweites Corona-Jahr bringt besondere Herausforderungen für den Verbraucherschutz

  • Verbraucherzentralen im Kreis Unna stellen Jahresberichte 2021 vor.
  • Bei 8330 Anliegen helfen die Verbraucherschützer:innen mit Rat und rechtlicher Unterstützung weiter.  
  • Trotz Lockdownphasen und wechselnden „G-Regeln“: Flexible und verlässliche Zugänge zur Beratung sichergestellt. 
  • Juli-Hochwasser rückt Starkregenschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels in den Fokus.

Wellen von betrügerischen Paket-SMS oder Fake-Inkasso-Forderungen, nicht immer rechtmäßige Kontoentgelte und Tausende gekündigte Strom- und Gasverträge: Bei rund 8300 Anliegen waren die Verbraucherzentralen im Kreis Unna im vergangenen Jahr wieder eine verlässliche Ansprechpartnerin, um Verbraucher:innen zu unterstützen und zu ihrem Recht zu verhelfen. Seit dem Herbst sorgten die massiv gestiegenen Energiepreise für einen zusätzlichen Ansturm auf die Beratungsstelle.

„Verlässlich und direkt für alle Menschen ansprechbar zu sein – das war auch im zweiten Corona-Jahr die Herausforderung zwischen Lockdownphasen und sich laufend verändernden Rahmenbedingungen für Geimpfte, Genesene und Getestete. Darauf haben wir flexibel reagiert, die im ersten Pandemiejahr entwickelten digitalen Zugangskanäle genutzt und unsere Onlineangebote ausgeweitet“, sagte Astrid Lindner, Leiterin der Beratungsstelle Kamen, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2021. „Je nach Komplexität des Anliegens war es für uns aber auch besonders wichtig, die Ratsuchenden wieder in unseren Räumen in der Kirchstraße 7 persönlich empfangen zu können.“ 

Erfolgreich für Ansprüche von Verbraucher:innen eingesetzt

Die Kennziffern zeigen, dass die Verbraucherzentrale auch 2021 eine stark gefragte Anlaufstelle für die Menschen im Kreis Unna war: Bei 2785 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer:innen 2021 zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. In der allgemeinen Verbraucherberatung erhielten 27 % der Verbraucher:innen diese auf Grund von niedrigen Einkommen entgeltfrei. Rechtliche Ersteinschätzung erteilt die Verbraucherzentrale NRW in diesem Themengebiet generell kostenfrei. „Dank Ihres Einsatzes wurde eine Forderung von 195 Euro ausgebucht.“, so bedankte sich ein Student aus Lünen bei Jutta Gülzow, Leiterin der Beratungsstelle Lünen.

Juli-Hochwasser rückt Schutz vor Starkregen in den Fokus 

Bilder und Berichte von den verheerenden Folgen des Starkregens in vielen Regionen NRWs führten bei vielen Verbraucher:innen zu der Frage, wie man sich selbst gegen Unwetterfolgen und Hochwasser schützen kann. „Gebäude-, Hausrat- oder Kaskoversicherung – welche Versicherung kommt für welche Schäden auf und ist eine Elementarschadenversicherung sinnvoll? In unserer Versicherungsberatung haben wir Orientierung geboten“, so Hannah Pick, Leiterin der Beratungsstelle Schwerte.

Abzocke per SMS, E-Mail oder in sozialen Medien

Gefälschte Nachrichten vom Zoll mit Gebührenforderungen, massenhaft verschickte SMS von angeblich Paketdiensten, die ahnungslose Nutzer:innen zum Beispiel in Abo-Fallen lockten, oder Kettenbriefe in sozialen Netzwerken und Messengern, die zum Datenklau führten: Die digitale Welt nutzten auch 2021 wieder zahlreiche Kriminelle, um die verschiedenen Kommunikationskanäle geschickt für ihre betrügerischen Aktivitäten einzusetzen.

Reisen auch im zweiten Pandemiejahr oft herausfordernd  

Wer verreist, will etwas erleben oder sich entspannen. Virusvarianten, Reisewarnungen, zunächst knapper Impfstoff und wechselnde Quarantäneregeln machten die Reiseplanung jedoch auch 2021 teilweise stressig. Zum Weltverbrauchertag am 15. März haben die Beratungsstellen im Kreis Unna unter dem Motto „Urlaubspläne trotz Corona: Vorausschauend buchen, Ärger vermeiden“ zusammengestellt, was Pauschal- und Individualreisende zum Beispiel über Stornoregeln, Flex-Tarife und Pandemieklauseln wissen sollten. „Zugleich haben sich wegen Problemen bei der Erstattung abgesagter Reisen weiterhin viele Ratsuchende an uns gewendet“, erklärte Astrid Linder, Leiterin der Beratungsstelle Kamen. 

Fake-Inkasso und Offensive an der Haustür

Ob wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen oder vermeintlich abgeschlossener Glücksspiel-Abos: Unter verschiedenen Vorwänden forderten Inkassounternehmen von den Menschen im Kreis Unna Zahlungen und drohten mit Zwangsvollstreckungen oder Schufa-Einträgen. 

Gekündigte Strom- und Gasverträge und hohe Energiepreise 

Dass mehrere Strom- und Gasanbieter trotz vertraglicher Vereinbarung die Versorgung ihrer Kundschaft einstellten, brachte im Herbst viele Haushalte in Bedrängnis. Betroffene rutschten in die Grundversorgung und hatten Mühe, einen neuen bezahlbaren Vertrag zu bekommen. „Hier gab es viel Unsicherheit und Sorge“, so Jutta Eickelpasch, Umweltberaterin in Kamen. Und bis heute ist die Nachfrage auf Grund der generell gestiegenen Preise für Strom, Gas und Öl sehr hoch, worauf die Verbraucherzentrale NRW auch mit zusätzlichen Informationen im Internet und Online-Seminarangeboten reagiert. 

Beratung zum Bankrecht stark gefragt 

Eine hohe Nachfrage gab es auch zu Finanzthemen: Kündigungen von einst attraktiven Prämien- und Bausparverträgen vor allem von Sparkassen führten zu erheblichem Beratungsbedarf. Kund:innen wollten die Rechtmäßigkeit der Kündigungen einschätzen lassen und nahmen dazu die anwaltliche Beratung zu Bank- und Kapitalmarktrecht der Verbraucherzentrale in Anspruch. Daneben ging es bei den Prämiensparverträgen dabei um die Überprüfung der ursprünglich gut verzinsten Alt-Verträge und deren „Innenleben“ – beispielsweise um die Wirksamkeit von Zinsanpassungsklauseln, das Bestehen möglicher Nachforderungsansprüche bei Kündigungen oder auch um die Methode der Zinsberechnung. 

Umweltberatung Kamen: Einweg(-plastik) vermeiden 

Die Umweltberatung hat auch 2021 mit vielen Aktivitäten Anstöße für das Vermeiden von Einweg- und Verpackungsmüll gegeben. Informativ und praktisch erfuhren die Kamener Bürger:innen, welche Alternativen es zu Einweggeschirr und anderen Wegwerfartikeln aus Plastik gibt, deren Verkauf seit dem 3. Juli 2021 verboten ist. Unter dem Motto „Trink Leitungswasser – eine klare Sache“ wurden die Vorteile des Wasserzapfens aus dem Hahn aufgezeigt. Und auch beim Takeaway-Essen wurde auf Mehrweg statt Einweg gesetzt. „Hier werden wir in diesem Jahr weitere Aktionen starten“, kündigte Umweltberaterin Jutta Eickelpasch an.Ausblick: In der Einzelberatung wird sicherlich die Energierechtsberatung dominieren. Schon jetzt sind die Beratungszahlen angestiegen. Das Thema „Nachhaltig leben“ bewegt viele Kamener Verbraucher:innen. Besonders die Themen Lebensmittelverschwendung und Müllvermeidung werden von Schulen und Kindergärten stark nachgefragt.

PM: Verbraucherzentrale NRW

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