Schwerter für Stadtbäume gespannt auf Ratssitzung

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Foto: Schwerter für Stadtbäume

Morgen ist ein wichtiger Tag für uns. Der Rat der Stadt Schwerte wird über die Zulässigkeit unseres Bürgerbegehrens entscheiden. Dafür haben wir uns in den letzten Monaten ganz schön ins Zeug gelegt, um allen Formvorschriften zu genügen. Das war für uns als Laien gar nicht einfach und wir haben uns  bei dem Verein “Mehr Demokratie” Hilfe geholt. Von dort haben wir kompetente Unterstützung von erfahrenen Beratern bekommen, was die  Formvorschriften und Formulierungen angeht. 

Die Verwaltung der Stadt ist laut Gesetz verpflichtet, Hilfe zu leisten und hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir an einer Stelle eine Postleitzahl vergessen hatten und dass die Kostenschätzung komplett auf den Unterschriftenlisten zu lesen sein muss. Das haben wir verbessert. Dafür mussten wir ein zweites Mal auf die Schnelle die 25 Unterschriften sammeln, die für die Vorprüfung vorgeschrieben sind. Das hat  auch super geklappt und wir hatten im Nullkommanix 47 Unterschriften zusammen.  

Dann wurde uns noch gesagt, dass  in unserem Text auf den Unterschriftenlisten genau angegeben sein solle, welche Bäume konkret betroffen sind. Dies ist uns gar nicht möglich, da uns dazu immer wieder andere Informationen und Gerüchte zugetragen wurden. Erst hieß es, es ginge nur um die vier Linden vor dem City Center, das sind auch die einzigen Bäume, die im Ratsbeschluss konkret genannt werden. Über die vier Eschen auf dem kleinen Markt hat nie jemand gesprochen, auf den Plänen sind sie aber nicht zu sehen, das heißt ja wohl, dass sie  nicht erhalten werden sollen. Der schöne große Feldahorn, der zwischen Ruhrtal-Museum und Sparkassenterminal steht, wurde auch nie erwähnt, ist aber laut einem Gespräch mit Herrn Menges vom Planungsamt auch betroffen, denn wie man auf den Plänen sehen kann, soll in die Kurve eine Bushaltestelle, die Platz für drei  Busse bietet. Um die beiden anderen Feldahorne, vor Kotte und vor  dem Hollywood-Snack rankten sich immer wieder wilde Gerüchte. Sie kommen auch weg, nein, sie bleiben auf jeden Fall stehen usw. 

In unserer Formulierung steht ganz klar, dass wir alle Bäume im Bereich erhalten sehen wollen. Denn sie sind nach mehreren Gutachten gesund bis in mittelmäßigem Zustand.Im Vorfeld wurde mehrfach versucht, uns zu verunsichern, zum Aufgeben zu bringen oder mit fadenscheinigen Versprechungen zum Rückzug zu überreden. So versprach der Bürgermeister bei verschiedenen Treffen immer wieder andere Variationen von Baumerhalt und Umpflanzung, was unserem Verständnis nach gar nicht von ihm alleine entschieden werden kann. Dieser Baum würde umgepflanzt und jener dürfe nun doch stehen bleiben und für den würden ja neue gepflanzt usw. Wir haben den Eindruck, dass unser Bürgermeister sehr flexibel mit abgeschlossenen Ratsbeschlüssen umgeht, zumindest, was die Bäume betrifft. So fragen wir uns, wie kann er z.B. versprechen, dass der Feldahorn im Eingang zum Markt jetzt doch stehen bleiben soll, wenn dort laut den Plänen des geltenden Ratsbeschlusses doch eine Bushaltestelle hin soll?  Und wie er einen 40- 50jährigen Baum umpflanzen will, bleibt uns ein Rätsel.  Immer wieder wird auch von Neupflanzungen geredet, als hätten wir jemals gesagt, dass wir etwas gegen Neupflanzungen haben. Wir wollen lediglich, dass die alten Bäume stehen bleiben,  gerne dürfen neue dazu. Immer wieder von baumkundigen Fachleuten und Gutachtern erklärt, kann ein 15- 20 Jahre alter Baum (und ältere Bäume umzupflanzen, ist schwierig und sehr teuer) einen 50 jährigen nicht ersetzen. Dazu bräuchte es für jeden unserer alten Bäume ca. 30 Jungbäume. Hierzu kann sich jeder ausrechnen, wie viele Neupflanzungen für 9- 11 Fällungen fällig würden.

Wir haben uns von solchen Versuchen nicht verunsichern lassen, denn für uns steht ja fest, dass wir kein Bäume-Bingo veranstalten wollen, sondern fordern, dass ALLE Bäume im Marktareal stehen bleiben.  

Immer wieder wurde versucht, uns weiszumachen, dass es auf gar keinen Fall möglich sei, die Bäume in die bestehenden Pläne einzuarbeiten. Deshalb kommt ja auch diese hohe Summe der Kostenschätzung zustande. Dort sind alle Planungs- und Wettbewerbskosten aufgeführt, die bis jetzt  geleistet wurden. Hätte man die Bürgerbeteiligung transparenter gemacht, hätten sich sicherlich viele Bürger schon im Vorfeld gegen Baumfällungen ausgesprochen, aber wie wir ja in den letzten Monaten mitbekommen haben, hatte ja kaum jemand Kenntnis über die Pläne. Zu Beginn der Corona-Pandemie waren alle mit anderen Dingen beschäftigt und haben die wenigen Bekanntmachungen zur Bürgerbefragung gar nicht mitbekommen. Wir haben auch einige Fachmenschen (Architekten)befragt, die uns professionelle Einschätzungen dazu gegeben haben. Aus deren Sicht ist es  durchaus möglich, die Bäume auch in die bestehenden Pläne zu integrieren, was die Kosten schon mal deutlich geringer ausfallen lassen würde. Die Kosten, die nicht anfallen werden, wenn man die Baumfällungen unterlässt, tauchen seltsamerweise nirgendwo auf.  

Der Aussage, dass die Bäume auf keinen Fall in die bestehenden Pläne eingearbeitet werden können, widerspricht auch, dass der Bürgermeister uns mit Versprechungen, den einen oder anderen Baum stehen zu lassen, versucht hat, zum Rückzug zu bewegen.

Da wir aber so viel Unterstützung erfahren und so viele Schwerter gut finden, was wir machen, werden wir dranbleiben, denn genau das ist der Sinn eines Bürgerbegehrens. Noch einmal hinterfragen, ob der Großteil der Bürger denn überhaupt damit einverstanden ist, was “da oben” entschieden wird. Viele  Menschen denken : ” Da kann man nichts machen” und resignieren. Andere brauchen einfach nur eine Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben. Die wollen wir damit anbieten. Wir Schwerter möchten unsere Stadtbäume behalten! 

Morgen wird jetzt also in der Ratssitzung über die rein formelle Zulässigkeit unseres Bürgerbegehrens entschieden. Wir sind sehr gespannt, wie es ausgeht. Wir werden immer wieder gefragt, wann es denn endlich losgeht mit dem Unterschriften sammeln und hoffen sehr, dass wir endlich loslegen können.

Britta Kollmann-Rost
Monika Zaubzer
Daniel Engelmann

PM: Schwerter für Stadtbäume

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