Prof. Dr. Otto Wulff: Generationenkonflikt ist ein Hirngespinst

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Foto: Martin Krehl

Von Martin Krehl

„Die Gesellschaft darf nicht aufhören solidarisch zu sein und muss achtsam bleiben, vor allem den älteren Menschen gegenüber“, Prof. Dr. Otto Wulff bleibt optimistisch und zuversichtlich, dass das auch gelingt. Der amtierende langjährige Bundesvorsitzende der Senioren-Union der CDU Deutschlands hält den oft zitierten Generationenkonflikt gerade angesichts dergemeinsam von Alt und Jung bewiesenen Reaktion der Gesellschaft auf die Corona-Pandemie „für ein Hirngespinst“.

Der Senior unter den bundesweit aktiven Politikern, Jurist, ehemaliger Europaparlamentarier und Bundestagsabgeordneter gehört auch dem Bundesvorstand der CDU an. Der gebürtige Iserlohner lebt in Schwerte an der Ruhr.

„Ältere Menschen vereinsamen sehr schnell“, meint Wulff. „Aber gerade angesichts der Bedrohung durch das Corona-Virus hat sich gezeigt, wie hoch die Bereitschaft der Menschen ist, aufeinander zu achten und auch mal nach dem älteren Nachbarn zu schauen“. Statt sich zu streiten hätten nach seiner Erfahrung Jung und Alt gegenseitig voneinander profitiert: „Ideale, Spontaneität und Engagement haben sich mit Erfahrung, Geduld und Optimismus gepaart, das war großartig mitanzusehen. Und die Jungen haben erkannt, keine Angst vor dem Alter zu haben“.

Wulff meint vieles davon sei auch in die Nach-Corona-Zeit zu retten: „Wir werden alle bescheidener sein und merken, wie sehr wir voneinander abhängig sind“. In Deutschland, in Europa, aber auch global gilt: „Das Virus, das im hintersten Winkel der Erde auftaucht, muss uns hier in unserem vermeintlichen Komfort brennend interessieren!“. Es habe sich gezeigt, dass keine Gesellschaftsform, kein Staat dieser Erde allein mehr die globalen Probleme lösen kann. Das besonnene Verhalten der Mehrheit der Bevölkerung werde helfen auch künftige große, weltweite Probleme solidarisch anzugehen – etwa Krebserkrankungen. Die wird es leider noch in der Nach-Corona-Zeit geben.

Professor Wulff ist ein Zeitzeuge mit einer weiten Erfahrungsspanne: Er hat Kindheitserinnerungen an die Pogrome der Nazis an den Juden. Er weiß noch, als in der Wohnküche seines Elternhauses in Iserlohn-Hennen im Spätherbst 1945 die CDU mitbegründet wurde. Eine Hälfte seiner Großfamilie sind Franzosen, er gehört zur anderen, der deutschen Hälfte. Wulff ist vor diesem Hintergrund überzeugter Europäer und sicher, dass nationalistische Bestrebungen keinen Erfolg haben werden, die Menschen wollen Frieden und gute Nachbarschaft. 

Die Deutschen hätten sich lange einen gesunden Patriotismus nicht erlaubt. „Der kann nur gedeihen, wenn der Patriotismus des anderen genauso wertgeschätzt wird wie der eigene. Alle Patrioten, aus welchem Staat sie auch kommen, stehen zusammen und achten die Überzeugung der anderen“. 

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