Chancengerechtigkeit braucht Vielfalt – ein leiser Zweifel darf erlaubt sein

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Foto: © Thomas Schmithausen

Von Meike Kühne-Schmithausen

Der neue Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI) ist gestartet. Ein neuer Name, ein großer Anspruch – und viele Hoffnungen. In einer Stadt wie Schwerte, die sich seit Jahren als offen, vielfältig und tolerant versteht, richtet sich der Blick nun auf das Gremium, das genau diese Werte politisch vertreten soll.

An der Spitze steht künftig Ö. Kars, der zum Vorsitzenden gewählt wurde. Die stärkste Kraft im ACI stellt die Liste IPM – Integration. Partizipation. Miteinander. Daneben waren auch weitere Gruppierungen angetreten, unter anderem die Frauenliste, die bei der Wahl zur zweitstärksten Kraft wurde – und dennoch wenig sichtbar ist.

Und genau hier beginnt eine Frage, die sich nicht belehrend, sondern nachdenklich stellt.

Wo sind die Frauen – und wo die Vielfalt?

Schwerte ist bunt. Nicht nur türkisch geprägt, sondern ebenso von Menschen aus vielen Nationen, Kulturen und Glaubensrichtungen. Christlich, muslimisch, jüdisch, orthodox, konfessionslos. Alteingesessen und zugewandert. Frauen und Männer. Jung und alt.

Der ACI ist jedoch sehr geprägt von nur einer Glaubensrichtung und auch dominiert von Männern.

Das ist kein Vorwurf. Aber es ist eine berechtigte Frage:

Wie fühlen sich all jene Schwerterinnen und Schwerter repräsentiert, die nicht Teil dieser Mehrheit sind?

Toleranz zeigt sich nicht nur im Anspruch

Der ACI trägt das Wort Chancengerechtigkeit nun im Namen. Das verpflichtet. Nicht nur zu schönen Reden, sondern zu gelebter Offenheit – auch gegenüber anderen Religionen und Nationalitäten.

In der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen dem Integrationsrat und der DITIB-Gemeinde nicht immer spannungsfrei. Diese Konflikte gehören zur Geschichte des Gremiums – und sie erinnern daran, dass interreligiöser Dialog Arbeit bedeutet, nicht Selbstverständlichkeit.

Die so genannten  „Tee-Gespräche“, die interessanterweise nur bis zur Wahl im Sep’25 stattgefunden haben, mögen ein Anfang gewesen sein. Doch Dialog braucht Kontinuität – und vor allem sichtbare Vielfalt.

Ein Wunsch zum Schluss

Der neue ACI steht am Anfang. Und Anfänge dürfen beobachtet, hinterfragt und auch kritisch begleitet werden. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung gegenüber einer Stadtgesellschaft, die mehr ist als ein kultureller Schwerpunkt.

Wir wünsche dem Vorsitzenden ein glückliches Händchen, Offenheit im Herzen und die nötige Sensibilität für alle Menschen dieser Stadt – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Glauben.

Denn echte Chancengerechtigkeit entsteht dort, wo sich alle gesehen fühlen.

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