Eine Kolumne von Sigrid Reihs
Guten Tag, heute möchte ich gerne einen kurzen Impuls geben, was Urlaub und Seele miteinander zu tun haben.
Was für ein Typ sind Sie? Fahren Sie lieber ans Meer? Oder in die Berge? Und nach welchen Kriterien entscheiden Sie das eigentlich? Weil die Familie das so bestimmt? Oder weil Sie tief in sich drinnen wissen: es gibt einen Ort, der mir guttut; wo meine Seele aufatmet; wo es mir besser geht als in meinem Alltag.
Welche Umgebung heilt mich? Was brauche ich dafür, dass es mir gutgeht? Und was passiert, wenn ich darauf verzichte, die Orte aufzusuchen, die mir guttun? Geht es Ihnen dann auch so, dass Ihnen auf lange Sicht die Kraft fehlt, es keine Inspiration mehr gibt.
Das heißt, darauf zu verzichten, die Orte aufzusuchen, die einem guttun, hat seinen Preis.
Ich bin regelmäßig – ein- zweimal im Jahr auf einem Klosterhof in der Nähe von Würzburg: auf dem Benediktushof. Dieser Ort ist für mich so ein Ort, an dem es mir gutgeht. Es gibt dort eine klare Gestaltung: innen und außen.
Sowohl der Garten rund um das Kloster ist klar und offen gestaltet, und die Räume und der Tagesablauf ist genauso klar gestaltet. Am Anfang dachte ich: „Was für ein Zwang?“ Mittlerweile weiß ich, dass diese klare Gestaltung, mir hilft, meiner Seele hilft, zu mir zu kommen.
Diese Klarheit, diese besondere Nüchternheit ist für meine Seele eine gute Nahrung, weil sie ihr hilft, sich nicht zu verlieren im Vielerlei, man könnte fast sagen, im Chaos des Alltags.
Man kann es vielleicht ganz gut vergleichen mit der Erfahrung auf dem Hauptbahnhof in Dortmund. Wenn Sie da sind, gibt es ganz viele Geräusche, unendlich viele Menschen, die hin- und herlaufen. Wenn es einem nicht ganz gut geht, weil man eine Krankheit erlebt hat, oder sowieso im Stress ist, dann nimmt man wahr, was das für eine Anforderung ist, in dieser Unklarheit, in dieser Lautstärke, in diesem Gewühl zu existieren.
Die Frage, die sich dann stellt, lautet: Wem oder was setze ich mich eigentlich jeden Tag aus? All das, dessen ich mich aussetze, hat auch Auswirkungen auf meine Seele. Manches von dem, dessen ich mich aussetze, kann ich nicht steuern. Wenn ich von Dortmund nach Essen fahren muss, kann ich nicht darauf verzichten, am Bahnhof zu sein.
Aber es gibt andere Dinge, die ich steuern kann, die wir steuern können. Wir können darauf verzichten, uns auf Orte einzulassen, die uns Energie rauben. Wir können mit Achtsamkeit wahrnehmen, wo Orte sind, die uns Energie spenden.
Ich möchte dafür plädieren, dass jeder und jede von uns, sich auf die Suche macht nach diesen Orten, die Energie spenden und auch dazu beitragen die Orte, zu Energiespendern und Energiespenderinnen zu machen, denn die Ästhetik eines Ortes, die Schönheit, das, was mir Freude macht, wenn ich die Augen morgens aufschlage, wirkt sich aus, auf meine Seele, meinen Geist und meinen Körper – den ganzen Tag und die nächste Nacht.
Ich denke, dafür lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen: was tut mir gut an diesem Ort, an dem ich lebe. Was tut meiner Seele gut und was lässt sie lächeln, wenn ich morgens die Augen aufschlage? Dazu möchte ich Sie, uns alle einladen.






