Mahn- und Gedenkfeier am 9. November

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Archivfoto: KuWeBe

Am 9. November um 19 Uhr werden sich auch in diesem Jahr Schwerter Bürgerinnen und Bürger in der Großen Marktstraße versammeln und an der Gedenkstätte Synagoge der Pogromnacht der Nazis 1938 gedenken.
Vorurteile werden schnell zu Urteilen. Hetze und Hass haben Folgen. Rechte Parolen und Aufmärsche, Brandanschläge gegen Minderheiten und Gewalt gegen Asylsuchende machen das immer wieder erschreckend deutlich in unserem Land. Nicht zu unterschätzen ist das Bedienen unterschwelliger Klischees. Auch angeblich unbewusstes Aufnehmen rassistischer Vorstellungen hat Auswirkungen bis hin zu sehr bewussten Akten der Verfolgung, der Gewalt, der Ermordung von Menschen.
Bürgermeister Dimitrios Axourgos und Tekin Kalayci von der Moscheegemeinde werden Grußworte sprechen. Das Gedenken mit Ansprache und Namenslesung übernehmen Fritz-Günter und Margret Held. Die Theatergruppe Gegenwind ist mit Spielszenen und Texten vertreten, Jiddische Lieder singt der Chor von Studio 7. Es wird ein kleiner Rückblick auf die Guide-Arbeit während der Anne-Frank-Ausstellung geworfen. Meditative Texte beschließen die Veranstaltung. Musikalisch führt Wakako Yamanaga durch das Programm.
Das Zusammenleben von Menschen setzt gegenseitigen Respekt voraus. Achtung und Wertschätzung ergeben sich aus dem Miteinander, aus politischem Engagement und sozialer Kompetenz. Auch wo solches Zusammenleben über Jahrzehnte gelingt, können Existenzkrisen, Verteilungskämpfe und Minderwertigkeitsgefühle den Boden für brutalen Rassismus neu bereiten.
Aus vielen Ländern müssen Menschen fliehen. Aber nicht mit den Flüchtlingen haben wir ein Problem. Wir haben ein Problem mit politischen Entscheidungen, die sich nicht an Menschenrechten, an transparenten Lieferketten und einer Fairen Welt orientieren. Wir haben ein Problem mit Umverteilungsstrategien und Profitgier, die jede Krise zu einem Hauptgewinn für potente Anleger machen wollen.
Wir befinden uns zur Zeit in einer Lebenssituation geprägt von Krisen, in der Rechtsradikale von Neuem versuchen, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen. Eine völkische rassistische Ideologie sucht Hirne zu umgarnen und ängstliche Herzen zu gewinnen mit Begriffen wie Überfremdung und Flüchtlingsflut und Sozialtourismus.
In Schwerte und in Deutschland war in den 1920er und Anfang der 1930er Jahre noch ein Miteinander der Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher Konfession und Tradition zum Besten von Stadt und Land zu spüren. Jüdische Bürgerinnen und Bürger gehörten zu den Besten in Wissenschaften und Künsten. Auch in Schwerte

fand das jüdische Leben Anerkennung. Die jüdische Gemeinde machte sich verdient um die Bildung von Schwerter Kindern und Jugendlichen. Friedrich Kayser konnte einvernehmlich in der Jüdischen Schule seine Bemühungen um benachteiligte Kinder fortsetzen. Jüdische Kaufmannsfamilien linderten die Not in der Stadt und beschenkten Kinder zu ihrer Kommunion oder Konfirmation. Für viele Bürgerinnen und Bürger hatte die Synagogengemeinde helfende Hände.
Aber durch die Finanzierung von Industrie und Banken war der Einfluss der Nazis gewachsen und die Machtergreifung Hitlers möglich geworden. Viel Geld war geflossen nicht nur für Werbeplakate und Nazi-Zeitungen. Es wurde gezahlt auch für Uniformen, Waffen und Fahrzeuge. So konnten die Nazis Schlägertruppen ausrüsten, Sozialdemokraten und Kommunisten Gewalt antun und Gewerkschafter in den Betrieben brutal zum Schweigen bringen. Sie konnten Armutsproteste und Demonstrationen gegen Rechts von den Straßen prügeln. Kolonnen im Gleichschritt, Fackeln und Fahnen sollten für nationale Größe und Kampfbereitschaft werben.
Mit brutaler Gewalt behaupteten SA-Trupps das Feld, auch in Schwerte. Am 29. März 1933 beschmierten Nazis die Schwerter Synagoge mit Teer, besudelten jüdische Geschäfte mit Hassparolen, überwachten Kundinnen und Kunden. „Kauft nicht bei Juden!“ hieß es. Und: „Juda verrecke!“ war der alltägliche Gruß.
Am 9. November 1938 wurde die Synagoge in der Großen Marktstraße von Nazis gestürmt, die Thora-Rollen in den Straßenschmutz geworfen und die Inneneinrichtung durch Feuer zerstört. Das Gotteshaus wurde der jüdischen Gemeinde mit Gewalt genommen und bald darauf die jüdische Gemeinde vernichtet.
1942 wurden die noch im Ruhrtal verbliebenen jüdischen Menschen zum Schlachthof in der Liethstraße geprügelt. Sie mussten dort in Baracken nächtigen. Dann trieben die Nazis sie zum Schwerter Bahnhof. Sie wurden in Viehwaggons weitertransportiert im Rahmen der Endlösung in Lager wie Auschwitz, Sobibor und Theresienstadt. Schwerter Opfer von Rassenwahn und Verfolgung können namentlich genannt werden. Die Stolpersteine in unserer Stadt Schwerte und der Namensfries an der Gedenkstätte Ehemalige Synagoge nennen die Menschen, die unter Arroganz und rücksichtsloser Brutalität des Herrenmenschendenkens der Nazis mitten im aufgeklärten Europa gelitten haben, die verfolgt und verdrängt und ermordet wurden.

PM: KuWeBe

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