Barbara und Werner Melenk: Eiserne Hochzeit im Hospiz 

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Das Hochzeitspaar Werner und Barbara Melenk mit den Gästen Dr. Jula Well, Dimitrios Axourgos, die Kinder Simone und Bodo Melenk sowie Werner Kolter (stehend v.l.n.r.) und Wilma Enseleit. Foto: Anja Schewe

Ergste/Unna. Wer eine Eiserne Hochzeit feiern darf, ist 65 Jahre miteinander verheiratet. So wie Barbara und Werner Melenk aus Ergste. Begangen wurde dieser außergewöhnliche Tag im Kreise von Familie und Ehrengästen im Heilig-Geist-Hospiz Unna, wo Barbara Melenk seit Mai Gast sein darf.

Zum Ehrentag gratulierte nicht nur die engste Familie mit Sohn Bodo, Schwiegertochter Mona, Tochter Simone und Schwiegersohn Werner Kolter. Auch Pfarrerin Dr. Jula Well fand emotionale Worte und segnete das Paar. Schwertes Bürgermeister Dimitrious Axouros ließ es sich nicht nehmen, zu diesem besonderen Ereignis seiner Schwerter Bürger nach Unna zu kommen und überbrachte die Glückwünsche der Stadt sowie eine Urkunde und einen Schwerte-Gutschein. Es war eine kleine, feine Feier. Miroslaw Tybora lieferte auf seinem Akkordeon die Sommermusik dazu.

Zusammen seit 1955

Kennen- und liebengelernt haben sich Barbara und Werner Melenk1955 auf einer Hochzeit in Lünen, wo Barbara Zerr nach der Flucht mit Pferd und Wagen aus Bulgarien über Jugoslawien, Lagerleben in Österreich und Baracken in Bayern mit ihrer sechsköpfigen Familie am Ende gelandet war. Die Deutschbulgaren beginnen hier in einer kleinen Flüchtlingswohnung ein neues Leben.

Werner Melenk muss ebenfalls mit Nichts neu starten. Er war mit dem letzten Schiff aus dem Hafen in Pillau mit seiner Familie aus Ostpreußen geflüchtet und in Schleswig Holstein angekommen. Mit  seinem Cousin kommt er bei einer Gärtnerfamilie unter. Nach einer Schreinerlehre in Kiel gibt’s an der Ostseeküste keine Arbeit. Werner Melenk setzt sich aufs Fahrrad und radelt ins Ruhrgebiet, wo er bei einer Tante unterm Dach wohnen kann. Im Dortmunder Hafen findet er eine gute Anstellung.

Immer fleißig, immer freundlich

In Lünen dann seine große Liebe! 1958 heirateten die beiden in Lünen. Über Hacheney und Hörde fand das Paar 1970 den Weg nach Ergste. Da waren ihre Kinder Bodo (1959) und Simone (1962) schon geboren. Werner Melenk, nach Abendschule, Fort- und Weiterbildungen jetzt Justizvollzugsbeamter, übernimmt die Kassenleitung in der JVA Schwerte

Barbara sucht sich Arbeit in der Gastronomie  – mehr als 40 Jahre lang kocht und kellnert sie in gastlichen Häusern und den bekannten Schwerter Ausflugslokalen, im Landgasthof Linneweber auf dem Bürenbruch und bei „Hiddemann im Spiek“ in Ergste) – immer fleißig, immer freundlich.

Tischtennis und der „olle Kotten“

Werner Melenk (heute 90) war früher mal ein guter Rennradfahrer und Judoka, bis zum 90. Geburtstag auch Tischtennis-Crack. Ehrenamtliches Engagement im Schwerter Schichtwesen, Gründung und Leitung der Bastelgruppe in der JVA und Gründung und Leitung der Tischtennis-AG, bis zum 90. Geburtstag jede Woche im Tischtennis-Training.

Barbara Melenk (85) liebte und pflegte immer eine gute Nachbarschaft. Sie vermisst ihren Garten, die schönen Gartenreisen und Städtereisen mit Freundinnen.

Die gemeinsame Leidenschaft, der „olle Kotten“ an der Nordsee, ein vom Vollbluthandwerker Werner Melenk mit viel Liebe zum Detail restaurierter Resthof in Butjadingen mit großem (Wild-Rosen-)Garten, werden sie leider auch nicht mehr gemeinsam ausleben können.

Die Situation verlangt den alten Herrschaften viel ab. Seit 68 Jahren sind die beiden ein Liebespaar, seit 65 Jahren ein Ehepaar – jetzt leben sie zum ersten Mal getrennt.Aber dieser 22. August war noch einmal ein Geschenk für das Paar, das immer eisern zusammengehalten hat.

PM: Stadt Schwerte


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