Eine Kolumne von Sigrid Reihs

Was fällt Ihnen eigentlich zu Pfingsten ein?
Ich finde, die Pfingstgeschichte ist eine hinreißende Geschichte.
Ich liebe diese Geschichte von dem Geist Gottes, der stürmisch und feurig in die kleine Schar von Angsthasen fährt. Wie geht es Ihnen, wenn Sie hören, dass Fenster und Türen aufgerissen werden und wie durch einen Orkan dieselben Männer, die sich eigentlich nur hinter dicken Mauern verstecken wollen nach draußen auf die Straßen und Plätze geweht werden, wo alle sie sehen können.
Macht es Mut oder eher Angst, wenn Männer und Frauen, die eigentlich ängstlich und verzagt sind und eher mit gesenktem Kopf umhergehen, damit niemand sie anspricht auf einmal ohne Scheu auf wildfremde Menschen aus allen Herren Länder zugehen.
Von Sprachbarrieren keine Spur mehr.
Diese Angst, sich zu zeigen; öffentlich zu reden und sich damit angreifbar zu machen, kennen wahrscheinlich die meisten.
Zu welchem Team gehören Sie, wenn die Frage gestellt wird, wer trägt unser Anliegen vor? Eher Team: ja klar oder eher Team: wegducken?
Was brauche ich eigentlich, um meine Angst zu überwinden und für das einzustehen, was mir wichtig ist?
Ängstlich darauf zu schauen, was die anderen wohl von mir denken werden, wenn ich einfach ganz selbstverständlich das tue, was ich für richtig halte, gehört jedenfalls nicht dazu.
Wir sind begeistert von Menschen, die sich ohne Scheu für ihre Überzeugung einsetzen. Charismatische Menschen begeistern uns und reißen uns mit.
Genau davon erzählt Pfingsten. Pfingsten erzählt davon, dass jede und jeder von uns eine besondere Begabung, Charisma hat. Wir geben ihm Raum, wenn wir sagen: Yes, I can, yes, we can…
Vielleicht erinnern Sie sich noch an diesen Wahlslogan von Barak Obama: Yes, we can.
Dieses Motto hat abertausende Menschen begeistert und Hoffnungen geweckt. Barack Obama, der erste schwarze Präsident der USA hat mit diesem Satz: yes, we can vielen Menschen Mut gemacht – gerade vielen, die auf einen solchen begeisternden Wind angewiesen sind.
Ich möchte Sie alle einladen, sich einmal zu fragen, was würde ich denn tun, wenn mich ein solcher Sturm der Begeisterung erreichen würde?
Mit wem würde ich dann Hand in Hand tanzen?
Wie ist es, wenn ich spüre: Meine Überzeugung ist so ansteckend, dass die Angst und die Sorgen keine Chance mehr haben.
Diese Pfingstgeschichte von dem brausenden Wind hat sich wahrscheinlich deshalb über so viele Jahrhunderte erhalten, weil wir uns alle danach sehnen, dass das scheinbar Unmögliche doch möglich wird.
Was kann das für uns konkret bedeuten
Yes, we can – Wir können so leben, dass unsere Angst uns nicht mehr beherrscht.
Yes, we can – Wir können jeden Morgen so anfangen, dass wir mit einem Lächeln all den Anforderungen und Herausforderungen begegnen, weil wir sie nicht fürchten.
Yes, we can – Wir können immer wieder auch das Bruchstückhafte, selbst die Verletzungen und Traurigkeiten annehmen und darauf vertrauen, dass sie geheilt werden und wir auch zukünftig leben können.
Yes, we can – Wir können hier begeistert damit leben, dass unsere kleine Kraft ausreicht, um einen neuen Himmel und eine neue Erde werden zu lassen, weil wir gemeinsam einen Sturm entfachen können.
Yes, we can – Wir können unsere Tränen liebevoll betrachten und sie trocknen lassen und zugleich auch mit Liebe bei allen sein, die in ihrem Leid allein sind. Allein das ist neues Leben!In diesem Sinne wünsche ich ihnen allen ein geisterfülltes und frohes Pfingstfest.





