„#[TATphone]- denken statt senden“ soll Jugendliche sensibilisieren

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Symbolbild

Regelmäßige Trainingskurse des VSI zu Straftaten in digitalen Medien

Smartphones und Messengerdienste prägen mittlerweile einen Großteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen. Neben vielen Chancen und Annehmlichkeiten birgt die tägliche Nutzung der sozialen Medien jedoch auch Risiken und Gefahren, deren sich insbesondere junge Menschen allzu oft nicht bewusst sind bzw. auf die sie nicht ausreichend vorbereitet sind. Einem besonderen Phänomen haben sich nun die Brücke-Projekte des VSI e.V. aus Schwerte und Iserlohn (Knackpunkt e.V.) angenommen, die sich mit ambulanten Maßnahmen um straffällige junge Menschen kümmern. Wie nämlich aus der letzten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das zurückliegende Jahr hervor geht, gibt es erneut einen deutlichen Anstieg bei der Zahl jugendlicher Tatverdächtiger im Deliktbereich „Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornographischer Schriften“ nach § 184b StGB.  Wurden hier für 2020 für die gesamte Bundesrepublik noch 9.000 Tatverdächtige unter 21 Jahren beider Geschlechter bei den vollendeten Fällen gezählt, so waren es 2022 insgesamt 18.048 Jungen und Mädchen unter 21 Jahren und somit eine Verdopplung (siehe Bundekriminalamt, PKS 2020 & 2022). In dem überwiegenden Teil der Vorfälle geschieht die Verbreitung dabei nicht aufgrund einer pädosexuellen Motivlage.  Vielmehr ist festzustellen, dass in einer Vielzahl von Fällen Kinder und Jugendliche entsprechende Videos, Bilder, Memes oder Sticker an Kontakte oder in Gruppenchats hochladen oder weiterleiten, ohne sich scheinbar Gedanken über den kinder-/jugendpornografischen Inhalt dieser Dateien zu machen. 

Nach Anfragen der Jugendgerichtshilfen im Kreis Unna und im Märkischen Kreis, wie man dieser Problemlage angemessen begegnen kann, haben 2021 bereits die beiden Brücke-Projekte dieser Regionen ein Konzept für einen Sozialen Trainingskurs entwickelt, der auf diese Zielgruppe passgenau zugeschnitten ist. Die Teilnehmenden werden dabei von Staatsanwaltschaft oder Gericht im Rahmen einer Auflage oder Weisung zugewiesen.

Im Kern handelt es sich dabei um ein Medienkompetenztraining, dass aus individuellen Vor- und Nachgesprächen und drei Abendveranstaltungen in der Gruppe besteht. „Ziel des Kurses ist die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen problematischen und strafbaren Mediennutzung in der Vergangenheit und eine Sensibilisierung für eine verantwortliche und „sicherere“ Handhabung digitaler Medien in der Zukunft“, erläutert Peter Frenz, pädagogische Fachkraft beim VSI.

„Ein adäquater Umgang mit den heutigen technischen Möglichkeiten und ein Bewusstsein für die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel auf dem Weg ins Erwachsenwerden, ist Grundstein unseres Konzeptes“, ergänzt seine Kollegin, Alexandra Schmalenbach

Hannah Neuhaus vom Knackpunkt Iserlohn betont, dass „es hierbei nicht um Verbote geht, sondern um eine kritische Auseinandersetzung mit dem persönlichen Medienverhalten und der Achtung der Rechte anderer – auch und besonders im Internet/Netz“. 

Mittlerweile gehört der Kurs unter dem Titel „#[Tat]phone – denken statt senden“ zum festen Portfolie der Angebote beider Fachstellen. Einen ersten Durchlauf gab es Ende 2022 in Schwerte mit 6 Teilnehmenden aus der Ruhrstadt und dem Märkischen Kreis. Ein zweiter Kurs folgte im Frühjahr 2023 und konnte Mitte Mai – erneut mit 6 jungen Menschen – erfolgreich abgeschlossen werden. Für November dieses Jahres wird gerade der dritte Kurs vorbereitet. 

Laut Veranstalter sind die Erfahrungen mit dem Kurs bislang durchweg positiv. Stefanie Behr vom Knackpunkt dazu: „Wir freuen uns, mit dem Medienkompetenztraining offenbar ein passgenaues Angebot für diese spezielle Zielgruppe und Problematik entwickelt zu haben und sind gespannt auf den Herbstkurs.“ 

PM: Verein für Soziale Integrationshilfen Schwerte e.V. (VSI)

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