Von Meike-Corina Kühne-Schmithausen
Ein prall gedeckter Frühstückstisch mit allem, was das Herz begehrt – doch der Schein in den Räumen des Schwerter SPD-Ladenlokals „Freundschaft“ trügt. Zwischen Kaffee, frischen Brötchen und Joghurt wurde am Samstagmorgen knallharte Politik serviert. Die SPD Frauen AG hatte Sven Brüggenhorst vom Gesundheitsamt des Kreises Unna zu Gast, und schnell wurde klar: Bei der Frauengesundheit in unserer Region brennt die Hütte.
Es ist ein strukturelles Problem, das tief sitzt. Während wir uns über historische Errungenschaften der Hygiene freuen, stehen wir 2026 vor einer Versorgungsmauer. Ob es um den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen geht, bei dem die Vorsitzende Sigrid Reihs erschreckende Zahlen lieferte – im gesamten Revier gibt es kaum noch Praxen –, oder um die Ignoranz der Kassenärztlichen Vereinigung, die von Angelika Schröder scharf kritisiert wurde: Frauen werden im System oft übersehen.
Doch der Vormittag machte deutlich: Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse, sondern eine massive Welle der Aufklärung und Sensibilisierung. Das gilt für Arztpraxen genauso wie für die Polizei und die Ämter. Es fehlt an allen Ecken an therapeutischer Unterstützung. Wer hilft einer Frau psychisch nach einem Abbruch? Wer fängt sie nach einer Gebärmutterentfernung auf? Das sind keine Randthemen, das sind lebensverändernde Eingriffe, die eine professionelle Begleitung verlangen, die im Kreis Unna aktuell kaum existiert.
Ein besonders wunder Punkt ist die Opferhilfe. Häusliche Gewalt hinterlässt Narben, die oft im Verborgenen bleiben. Wenn Anzeigen bei der Polizei zurückgezogen werden, verschwinden diese Schicksale aus jeder Statistik – sie existieren offiziell nicht mehr. Wir fordern Möglichkeiten zur anonymen ärztlichen Versorgung, damit die Scham nicht größer ist als der Hilferuf. Auch das Thema Babyklappen und die medizinische sowie psychologische Nachsorge für Frauen in solch extremen Notlagen darf kein Tabu mehr sein. Wir brauchen Licht in diesen dunklen Ecken unserer Gesellschaft.
Der Plan von Sven Brüggenhorst ist dabei ein wichtiger Baustein: Er setzt darauf, durch eine gezielte Datenerhebung die tatsächlichen Bedarfe im Kreis sichtbar zu machen. Erst wenn wir belegen können, wo die Hilfe fehlt, können wir gemeinsam mit dem Gesundheitsamt echte Lösungen auf den Weg bringen.
Zum Abschluss wurde es noch einmal richtig innovativ und kämpferisch – diesmal in interner Runde der SPD Frauen. Die bekannte Wanderausstellung „Stoppt Gewalt gegen Frauen“ wird bald direkt hier im Ladenlokal „Freundschaft“ zu sehen sein. Und sie bleibt nicht, wie sie ist: Geplant sind Erweiterungen und neue Aktionen, die das Thema noch präsenter in die Schwerter Stadtgesellschaft tragen.
Mein Fazit: Der Vormittag hat gezeigt, dass wir erst am Anfang stehen. Frauengesundheit braucht Power, Präsenz und vor allem Mut zur Veränderung. Die SPD Frauen in Schwerte haben beides. Dazu kann man nur sagen: Glückauf und weiter so!






