Kreis Unna. Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft appelliert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an die Gastronomiebetriebe im Kreis Unna, bei der Dienstplanung für die Turnierwochen auf Fairness zu setzen. Die rund 6.110 Beschäftigten in Restaurants, Gaststätten, Biergärten und Hotels dürften nicht die Leidtragenden des erwarteten WM-Ansturms werden, betont die NGG Dortmund.
„Eines darf es auf keinen Fall geben: Alles rechts ran für den Fußball und WM-Überstunden bis zum Abwinken“, erklärt Torsten Gebehart, Geschäftsführer der NGG Dortmund. Wer von seinen Beschäftigten unbegrenzte Mehrarbeit verlange, spiele sich „ins Abseits“. Stattdessen müssten die Dienstpläne frühzeitig abgestimmt und die persönlichen Lebenssituationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigt werden. Das gelte sowohl für Eltern mit kleinen Kindern als auch für Beschäftigte, die Angehörige pflegen.
Nach Ansicht der Gewerkschaft können die erwarteten Besucherzahlen während der WM nur mit einer vorausschauenden Personalplanung bewältigt werden. Gerade zu den Anstoßzeiten müsse ausreichend zusätzliches Personal eingesetzt werden. „Das darf keine Überstunden-WM werden“, betont Gebehart. Zudem seien Überstunden selbstverständlich zu vergüten. Auch während der Fußball-Weltmeisterschaft bleibe die Arbeit in Gastronomie und Hotellerie reguläre Arbeitszeit und keine Freizeit.
Neben fairen Arbeitsbedingungen rückt die NGG auch die bevorstehenden Tarifverhandlungen für das Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen in den Fokus. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von sechs Prozent für die Beschäftigten. Als Argument verweist sie auf die seit Januar geltende dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent.
„Die Gäste haben von dieser Steuerentlastung meist wenig bemerkt, und bei den Beschäftigten ist bislang ebenfalls kaum etwas angekommen“, sagt Gebehart. Eine Lohnerhöhung um sechs Prozent würde nach Angaben der NGG für einen ausgebildeten Koch oder Kellner in Vollzeit mindestens 164 Euro mehr im Monat bedeuten.
Die Tarifverhandlungen zwischen der NGG und dem Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein-Westfalen (DEHOGA) beginnen am 17. Juni. Die Gewerkschaft hofft auf konstruktive Gespräche und appelliert an die Arbeitgeber, die Interessen ihrer Beschäftigten ernst zu nehmen.
„Wer in der WM-Zeit auf Fair Play setzt, stärkt Motivation und Teamgeist im Betrieb“, so Gebehart. Die Gastronomen im Kreis Unna sollten daher alles daransetzen, „kein Foul gegen die Fußballstimmung“ zu begehen. Schließlich sei guter Service während der Fußball-Weltmeisterschaft nur mit engagierten und fair behandelten Beschäftigten möglich.






