Interview mit Holger Hülsmeyer, Vorsitzender von Schwerte hilft

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Holger Hülsmeyer

Was ist/macht Schwerte hilft?

Schwerte hilft‘ ist ein gemeinnütziger Verein von Schwerter BürgerInnen und Bürgern, der sich vor 15 Jahren, unter dem Eindruck des verheerenden Tsunami im Indischen Ozean gegründet hat. Damals sind 250.000 Menschen in 14 Ländern ums Leben gekommen. Die ganze Welt war entsetzt. Wir haben ein wenig helfen können. Heute unterstützen wir etliche Projekte, die alle einen Bezug zu unserer Stadt Schwerte haben. Das heißt, SchwerterInnen haben diese Projekte gegründet oder helfen an wichtigen Stellen mit. Alle Projekte sind klein und überschaubar, wir kennen alle aus eigener Anschauung. Und alle haben praktisch keinen Verwaltungsaufwand, die Spenden aus Schwerte kommen direkt vor Ort an, ohne Abzüge. 2020 haben wir knapp 10.000 Euro in unsere Projekte schicken können.

Wie hat sich Corona auf die Spendenbereitschaft ausgewirkt? (Verglichen mit 2019)


Wir haben Anfang 2020 eine sehr großzügige Spende aus der Schwerter Industrie bekommen. Das war toll. Die Firma war so nobel, dass Sie darauf bestand, Ihren Namen nicht in der Presse lesen zu wollen. Das Geld hat uns 2020 sehr geholfen, weil etliche Veranstaltungen in unserem Jubiläumsjahr, wie Lesungen, Konzerte, Diskussionen, coronabedingt ausgefallen sind. Und kein Pannekaukenfest, kein Weihnachtsmarkt. Wir waren deswegen leider weniger präsent in der Stadtgesellschaft und wir haben deswegen auch mehrere tausend Euro weniger an Spenden eingenommen.

Wie hat sich Corona auf die Spendenempfänger ausgewirkt?


Corona hat ganz viel an Strukturen zerstört, auf die man sich bislang verlassen konnte. In Ghana bei ‚Teach on the Beach‘ leben Waisen und Halbwaisen gemeinsam in einem Haus. In Uganda machen junge ledige Mütter eine Ausbildung. Im Filius-Projekt in Südafrika werden Kinder von der Straße geholt und haben ein Zuhause. Überall dort wurden die Schulen wegen Corona geschlossen. Das bedeutete, dass es auch kein Schulessen mehr gab. Das Schulessen ist oft die einzige verläßlich Mahlzeit am Tag für Kinder oder Mütter in der Ausbildung. Deswegen haben wir knapp 10.000 Euro in 2020 vor allem für Lebensmittel in den Projekten ausgegeben. Damit die Kinder, die Jugendlichen etwas zu essen hatten. Und damit junge Mütter sich nicht prostituieren müssen, um Geld fürs Überleben zu beschaffen. Und fast alle Projekte leben von Freiwilligen aus Europa. Von Volunteers, von jungen Leute, die einige Monate vor Ort unentgeltlich helfen und dort für Kost und Logie bezahlen. Meine Tochter Helene hat das in Ghana gemacht. So ist der Kontakt zu ‚Teach on the Beach’ zustande gekommen. Aber das ging und geht wegen Corona natürlich nicht. Übrigens nicht, weil es dort so gefährlich wäre. Nein, wir bringen eher das Virus dorthin. Keine Freiwilligen, keine Einnahmen.

Werden jetzt verstärkt medizinische Projekte unterstützt?

Nicht mehr als vorher. Wir helfen vor allem dort, wo junge Leute etwas lernen. Wer einen Schulabschluss und eine Ausbildung schafft, kommt selbst aus Armut und Elend heraus. Und kann dann zudem die Familie unterstützen. Die medizinische Situation vor Ort ist selten das Problem, außer bei Naturkatastrophen. Auch nicht jetzt bei Corona. Die Menschen sind unglaublich bildungshungrig und ehrgeizig, wenn Sie zur Schule gehen können. Da wird nicht gemeckert, sondern gelernt. Aber Bildung kostet dort. Schulgeld, Schuluniformen, Geld für Bücher. Da kann ‚Schwerte hilft’ ein wenig unterstützen.

Was wünschen Sie sich für 2021?


Wir können uns auf unsere Spender hier in Schwerte verlassen, da bin ich ganz sicher. Ich wünsche mir, dass wir nicht mehr in den Projekten das nackte Überleben sichern müssen, sondern stolzen Schülern zum Abschluss gratulieren können. Und das wir wieder Reibekuchen backen können beim Pannekaukenfest 2021 in Schwerte. Wir müssen schließlich unseren Titel von 2019 verteidigen. Da haben wir gemeinsam mit den Schützen die besten Reibekuchen gebacken.

Wird die Welt nach Corona wieder die ALTE sein?


Vielleicht sogar BESSER als die ALTE? Ich hoffe, wir lernen aus Corona, das wir mehr aufeinander achten. Also freundlicher sind und solidarischer. Nicht nur in meiner Straße, in meinem Umfeld in Schwerte. Auch mit dem Blick auf die jungen Leute in Afrika und sonstwo, die alle mit Feuereifer lernen möchten. Für ihre Zukunft, für eine bessere Welt. Und zehn oder zwanzig Euro, die uns nicht wehtun, sind das halbe Schulgeld für ein Kind in Afrika. Als Vorsitzender von Schwerte hilft e.V. gehe ich gerne ‚betteln‘.
Jetzt auch im Ruhrblick.
Hier das Spendenkonto von ‚Schwerte hilft’

Sparkasse Schwerte – IBAN DE33 4415 2490 0000 0818 10

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