Critical Mass startet wieder – die Verkehrswende wartet nicht

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Foto: Bernd Kirchbrücher

Wahlkampf in der Ruhrstadt und kaum eine Partei nimmt nicht die Verbesserung des Radverkehrs in den Mund oder ins Programm. Passiert ist in den letzten Jahren in Politik und an der Stadtspitze  allerdings zu wenig. Corona ist die eine Krise, aber die schwerwiegendere Klimakrise bedroht nicht nur unser Leben, sondern die gesamte Umwelt und das Leben unserer Kinder und aller nachfolgenden Generationen. Die Klimakrise erfordert ein Umdenken, insbesondere im Verkehr und beim Abgasausstoß. Nicht neue Parkflächen verhelfen uns dazu, bis 2022 die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, sondern u. a. die Verkehrswende vor Ort. 

Klimaziele müssen hier gesetzt werden, jede und jeder ist gefragt und besonders die Kommunalpolitik und die Verwaltung. Andere Kommunen machen es vor. Sie nehmen z.B. trotz und gerade wegen Corona an der bundesweiten Initiative „Stadtradeln“ teil. Oder sie setzen ab 25.000 Einwohner*innen eine oder einen Fahrradplaner*in ein, die nur den Radverkehr in den Blick nimmt und nicht zusätzlich das Auto und damit die Schere im Kopf mitdenken muss. Schwertes Mobilitätskonzept sieht eine Verdoppelung des Radverkehrs bis 2025 vor. Eigentlich. Aber ohne klare Ziel-, Zeit- und Umsetzungsplanung wird das nichts.

Schwerte gibt nach wie vor dem privaten Auto den Vorrang. Dabei könnte die Ruhrstadt mit ihren kurzen Wegen und wenigen Steigungen ein ideales Fahrradstädtchen sein. 

Ein durchgängiges Netz für den Alltagsradverkehr, ein sicherer Ausbau der Kreuzungen, sichere Radwege an Hauptverkehrsstraßen, einheitlich gestaltete Radwege, die vom Fußverkehr getrennt sind, Radschnellwege, Vorfahrt für Rad und ÖPNV, klare Sicherheitsabstände zwischen Auto und Rad, wo beide sich die Straße teilen müssen: all das führt in Städten, die die Sicherheit ernst nehmen, dazu, dass der Parkverkehr am Straßenrand aus den Straßen geholt wird, in denen die Sicherheitsabstände nicht gewährleistet sind. Wir brauchen überdachte, zentrale Parkflächen für Fahrräder anstelle weiterer Autoabstellflächen, die signalisieren, dass der Autoverkehr gerne auch zunehmen kann. Keine der Maßnahmen soll zu Lasten des Fußverkehrs umgesetzt werden, sondern den Verkehrsraum, der in großen Teilen vom PKW-Verkehr genutzt wird neu und gerecht ordnen. Die Sicherheit und Attraktivität für den Fuß- und Radverkehr müssen an erster Stelle stehen. 

Die B 236 wird auch nach dem Ausbau eine Katastrophe für den Radverkehr bleiben. 

So schaffen es die Straßenplaner nicht, vom Freischütz bis zum Ostentor, den Rad- und Fußgängerverkehr durchgängig auf getrennten und ausreichend breiten Wegen zu führen. Immer wenn’s eng wird werden die Räder – bergab mit oft starken Geschwindigkeiten – wieder mit den Fußgängern zusammengezwungen. Und bergauf ist der Notbehelf ohnehin durchgängig eingeplant.

Schwierig wird’s auch nach wie vor an den zahlreichen Ein- und Ausfahrten auf die B236. Am Ende holpert es immer für die Radler. Besonders problematisch wird es, wenn eine größere Straße einmündet. Wer mit dem Rad von Villigst kommend nach links in die Karl-Gerharts-Straße einbiegen will, steigt besser ab und geht zu Fuß über die Ampel, wenn er oder sie nicht ernsthaft lebensmüde ist. Verkehrsplaner nennen das dann „Sicherheitsdefizite“.

Also, liebe Politiker*innen, lieber Bürgermeister bitte keine Wahlkampflippenbekenntnisse, sondern klare Maßnahmen, wie ihr den Radverkehr stärken, die Verkehrswende und die Klimaziele hinbekommen wollt. Corona wird irgendwann Geschichte sein, die Klimakrise nicht.

Critical Mass ist ein zufälliges Zusammentreffen von Fahrradfahrer*innen, die für eine gewisse Zeit gemeinsam dieselbe Strecke – im geschlossenen Verband – fahren. Es gibt keine Organisator*innen und keine festgelegte Route. Die Critical Mass organisiert sich spontan selbst.

Immer am 2. Freitag im Monat ab 17 Uhr geht’s los am Bahnhof Schwerte (11.09., 09.10., 13.11., 11.12.20).

PM: Bernd Kirchbrücher

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