Donnerstag, April 9, 2026
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Netzwerke knüpfen, Barrieren abbauen: Engagierter Austausch am „Runden Tisch“ im Rathaus

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Foto: Stadt Schwerte

Von Meike-Corina Kühne-Schmithausen

Wenn die Gleichstellungsbeauftragte Birgit Wippermann zum „Runden Tisch“ in den Bürger*innensaal lädt, dann ist das weit mehr als ein bloßer Termineintrag. Es ist ein Herzstück der Schwerter Vernetzungsarbeit. Am heutigen Dienstag stand ein Thema besonders im Fokus: Wie erreichen wir Familien und Geflüchtete „niederschwellig“ – also ohne bürokratische Hürden und auf Augenhöhe?

„Elterntalk NRW“: Dialog statt Belehrung

Sandra Ruiz vom Bündnis für Familie (Kreis Unna) stellte das neue Projekt „Elterntalk NRW“ vor. Das Konzept ist bestechend simpel: Eltern treffen sich in vertrauter Umgebung – sei es im Verein, in einer Institution oder privat – und sprechen über Erziehungsfragen. „Es geht um den Dialog, nicht um einen Fachvortrag“, betonte Ruiz.

Begleitet werden die Runden von geschulten Moderatorinnen wie Stefanie Daiber (Jugendhilfe Daiber), die im Kreis Unna für die Ausbildung zuständig ist. Die Themen treffen den Nerv der Zeit: Von „Gesundem Aufwachsen“ bis hin zum „Umgang mit Bildschirmmedien bei Kindern“. Das Besondere: Die Moderatorinnen sind ehrenamtlich tätig und erhalten eine Pauschale von 50 Euro pro Talk. Ein Modell, das laut Birgit Wippermann perfekt als „niederschwelliges Angebot“ in die Schwerter Stadtteil-Strukturen passt.

Brennpunkt Unterkünfte und Integration

Ein zentraler Teil der Diskussion widmete sich der aktuellen Lage in den Geflüchteten-Unterkünften. Hier wurde deutlich, dass die Herausforderungen komplexer werden:

• Bildung und Schule: In der Runde wurde die angespannte Situation an der Gesamtschule Gänsewinkel thematisiert. Die Zuweisung und Integration von Kindern bleibt eine „schwierige, aber wichtige Aufgabe“, wie Teilnehmer betonten.

• Begegnung schaffen: Birgit Lohmann von AK Asyl berichtete vom Erfolg des „Café Hallo“ im Calvin-Haus (Do., 9:30 – 12:00 Uhr). Es dient als wichtiger Ankerpunkt für die „Sprachpraxis“ und den ersten Kontakt. Auch Gudrun Körber, vom Arbeitskreis der Schwerter Frauengruppen, verwies auf ihr kostenfreies Sprachpraxis-Angebot in der VHS (mittwochs, 18–20 Uhr, Raum 6)

• Sonderbedarfe im Fokus: Delia Hartmann vom Familienbüro mahnte an, dass das Thema „Migration und Behinderung“ oft noch zu wenig beachtet wird. Hier brauche es gezielte Unterstützung für betroffene Familien.

• Menschlichkeit in Krisen: Besonders bewegend war die Diskussion über Schicksalsschläge innerhalb der Unterkünfte. Was passiert, wenn ein Vater schwer an Krebs erkrankt und stirbt? Hier zeigt sich die Notwendigkeit von psychosozialer Begleitung und Trauerarbeit, die über die reine Verwaltung hinausgeht.

Blick auf das Alter und die Pflege

Auch die Situation älterer Menschen in den Unterkünften sowie die Anbindung an Pflegeeinrichtungen in Schwerte wurden besprochen. 

Fazit von Birgit Wippermann: Der Vormittag hat gezeigt, dass Schwerte über ein starkes Geflecht aus Haupt- und Ehrenamt verfügt. Ob „Elterntalk“ oder Stadtteil-Café – das Ziel bleibt gleich: Niemanden allein zu lassen und Angebote dort zu schaffen, wo das Leben stattfindet.

Tipp der Redaktion: Infos zum Elterntalk finden Interessierte beim Bündnis für Familie Kreis Unna oder direkt im Familienbüro Schwerte.

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