Samstag, August 29, 2026
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Kunst, Musik und klare Haltung: „Bruchstücke“ in der Hüsingstraße eröffnet

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Foto: Bündnis Schwerte gegen Rechts

Bündnis Schwerte gegen Rechts verbindet Pop-up-Ausstellung mit dem Theaterstück „Rio Reiser – König von Deutschland“

Musik, Kunst und gesellschaftspolitisches Engagement stehen in den kommenden Wochen in Schwerte eng miteinander verbunden. Begleitend zu den Aufführungen der musikalischen Biografie „Rio Reiser – König von Deutschland“ im Theater am Fluss hat das Bündnis Schwerte gegen Rechts eine Reihe von Aktionen auf die Beine gestellt. Den Auftakt machte am Samstag, 29. August, die Eröffnung der Pop-up-Ausstellung „Bruchstücke – Nachlass Peter Möbius“ in der Hüsingstraße 21.

Bei Live-Musik und vor einem begeisterten Publikum präsentierte das Bündnis die Ausstellung, die sich mit dem künstlerischen Nachlass von Peter Möbius beschäftigt. Möbius war der Bruder des bekannten Musikers Rio Reiser und selbst als Theatermensch und Maler tätig. Seine Arbeiten und sein künstlerisches Umfeld stehen dabei sinnbildlich für eine Zeit, in der Musik, Kunst und politische Haltung vielfach eng miteinander verbunden waren.

Vom 12. bis zum 26. September wird im Theater am Fluss Heiner Kondschaks musikalische Biografie „Rio Reiser – König von Deutschland“ aufgeführt. Das Stück erzählt das Leben des Musikers in Szenen und Liedern und führt zurück in das Westberlin der frühen 1970er-Jahre. Es geht um die Gründung der legendären Band „Ton Steine Scherben“, politisches Engagement, das Leben in Kommunen und die Suche nach alternativen Formen des Zusammenlebens.

Genau an diesen Themen setzt das Bündnis Schwerte gegen Rechts an. Gemeinsam mit dem Theater am Fluss möchte es die Beschäftigung mit Rio Reiser, „Ton Steine Scherben“ und deren gesellschaftspolitischem Umfeld über die Theateraufführungen hinaus erweitern.

Kunst aus dem Nachlass von Peter Möbius

Im Mittelpunkt der Pop-up-Ausstellung stehen Arbeiten der Unnaer Künstler Tim Buder und Tobias Klopietz. Beide sind in den Bereichen Graffiti, Street Art und Urban Art tätig. Ihre Werke sind im Frühjahr 2026 unter Verwendung von Schablonen entstanden, die aus dem Nachlass von Peter Möbius stammen.

Die Künstler greifen die historischen Vorlagen auf, interpretieren sie jedoch jeweils auf ihre eigene Weise. Entstanden sind unter anderem Porträts von Rio Reiser in Schablonentechnik. Gleichzeitig beschäftigen sich die Arbeiten mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen und übertragen die Themen und Ausdrucksformen der Vergangenheit in eine zeitgenössische Bildsprache.

Damit versteht sich die Ausstellung nicht als reine Rückschau. Vielmehr entsteht durch die Verbindung der historischen Schablonen mit moderner Street Art ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

„Bruchstücke“ ist bis zum 26. September in der Hüsingstraße 21 zu sehen. Geöffnet sein soll die Ausstellung voraussichtlich immer mittwochs und samstags von 10 bis 13 Uhr. Da sich die Öffnungszeiten gegebenenfalls ändern können, will das Bündnis aktuelle Informationen unter anderem über Instagram und über Aushänge bekanntgeben.

Wer Gefallen an den ausgestellten Arbeiten findet, kann die Kunstwerke auch erwerben. Preislisten und Kontaktdaten der beteiligten Künstler liegen in den Ausstellungsräumen aus.

Besucher werden selbst zu Beteiligten

Doch nicht nur in der Hüsingstraße soll die Auseinandersetzung mit den Themen von Rio Reiser und „Ton Steine Scherben“ stattfinden. Auch im Theater am Fluss ist das Bündnis Schwerte gegen Rechts während der Aufführungen präsent.

Dort erwartet die Besucherinnen und Besucher eine interaktive Wandzeitung. Auf ihr werden Textauszüge aus Liedern von „Ton Steine Scherben“ und Rio Reiser präsentiert. Die Zitate sollen dabei nicht lediglich gelesen werden, sondern als Ausgangspunkt für eine persönliche Auseinandersetzung dienen.

Das Publikum kann eigene Gedanken, Bilder und Wünsche zu den Texten formulieren und auf der Wandzeitung hinterlassen. So soll aus den einzelnen Beiträgen im Laufe der Aufführungsserie ein wachsendes gemeinsames Bild entstehen.

Die Wandzeitung wird bei jeder Vorstellung weitergeführt. Damit verändert sie sich von Aufführung zu Aufführung und wird zu einem sichtbaren Spiegel der Gedanken und Reaktionen des Publikums.

Von der Theaterbühne in die politische Diskussion

Was mit einzelnen Gedanken und spontanen Reaktionen im Theater beginnt, soll nach dem Ende der Aufführungen nicht einfach verschwinden. Die gesammelten Beiträge sollen ausgewertet werden und in die weitere Arbeit des Bündnisses Schwerte gegen Rechts einfließen.

Dabei sind verschiedene Formen der Weiterverwendung denkbar. So könnten die Ergebnisse beispielsweise politischen Parteien oder dem Landtag zur Verfügung gestellt werden. Auch eine Verwendung in Bildungsprojekten oder in der Öffentlichkeitsarbeit des Bündnisses ist möglich.

Damit verfolgt die Kooperation einen Ansatz, der über eine klassische Begleitveranstaltung hinausgeht: Das Publikum soll nicht nur Zuschauer einer Geschichte über eine politisch bewegte Zeit sein, sondern selbst Stellung beziehen und eigene Perspektiven einbringen.

Rio Reiser und „Ton Steine Scherben“ stehen dabei für eine Generation, die gesellschaftliche Verhältnisse hinterfragte, politische Veränderungen forderte und nach neuen Formen des Zusammenlebens suchte. Die Aktionen des Bündnisses Schwerte gegen Rechts greifen diese Fragen auf und stellen sie in einen aktuellen Zusammenhang.

So treffen in Schwerte in den kommenden Wochen Theater, Musik, Street Art und gesellschaftlicher Dialog aufeinander – mit einer Ausstellung in der Hüsingstraße, einer interaktiven Wandzeitung im Theater am Fluss und der musikalischen Geschichte eines Künstlers, dessen Lieder bis heute mit Fragen nach Freiheit, Solidarität und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden werden.

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