Feministische Geschichtsschreibung beim Weibsbilderabend in der Rohrmeistereih

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Foto: Stadt Schwerte

Spannende Einblicke in das Leben und Wirken von Frauen im Nationalsozialismus boten sich beim Weibsbilderformat in der Rohrmeisterei. Auf dem gelungenen Abend präsentierte Kirstin ter Jung facettenreiche Blickwinkel auf Schwerter Frauen in dieser Zeit. Sie traf auf die Sprecherin des Bündnis Schwerte gegen Rechts und  Vorstandsfrau im Elsebad Nele Blase.

Die Kulturwissenschaftlerin Kirstin ter Jung hob hervor, „in der Geschichtsschreibung zum Nationalsozialismus spielen Frauen in der Regel eine Mutter- oder dekorative Rolle.“ Wichtig sei zu verstehen: „Eine männliche Sprachform nimmt Frauen erst gar nicht in den Blick, so werden sie selten als Akteurinnen wahrgenommen.“ Es heißt „die Männer vom 20. Juli“, in der Widerstandsbewegung kommen Frauen, die sowohl an Geheimtreffen am Grüntaler Teich teilnahmen, Kurierdienste leisteten, illegale Strukturen aufbauten und Menschen versteckten, nicht in den Focus. Ohne sie wäre der Widerstand nicht möglich gewesen. So hielt Grete Meißner die Gemeinde nach der Verhaftung der Pfarrer zusammen.

Kirsten ter Jung betonte: „Für den deutschen Mann galt eine Liebesbeziehung zu einer Zwangsarbeiterin als Kavaliersdelikt. Ilse Renzing hingegen wurde wegen ihrer Beziehung zu einem französischen Zwangsarbeiter denunziert, verhaftet und wählte in der Schwerter Arrestzelle die Flucht in den Tot.“ Frauen, in der NS Frauenschaft, als „Heldinnen“ in der Hitler-Jugend, mit all den Aufgaben, die sie im Krieg übernahmen, wirkten auf allen Ebenen des gleichgeschalteten gesellschaftlichen Lebens. Die Facetten des Frauenleben waren vielfältig: Opfer, Widerständige, Zwangsarbeiterin, als die die Karriere machten und Nutznießerinnen waren.  „Die vorliegenden Quellen müssen gedanklich mit dieser Erweiterung neu betrachtet werden“, regte sie an. 

Im Gespräch mit Birgit Wippermann überzeugte Nele Blase mit ihrem Einsatz im Bündnis Schwerte gegen Rechts. Früh durch Lehrkräfte wurde ihr Interesse für Politik gelegt. Die selbstbewusste junge Frau hatte viele weibliche Unterstützerinnen, die die ihr bei der Übernahme ihrer engagierten Arbeit Mut machten. Sie forderte die Gleichberechtigung müsse schneller vorangehen und erläutert: „Eine wirkliche Geschlechtergerechtigkeit gibt es erst, wenn wir nicht mehr über Geschlechter reden müssen.“, bis dahin müssten Kitas und Schulen gute geschlechterrollenüberwindende Arbeit leisten.Die Sprecherin des Bündnis Schwerte gegen rechts schilderte sehr anschaulich die vielfältigen Aktionsformen. Sie reichen über eine kommunalpolitische Aufklärung mit Lesungen, Theaterarbeit, Kulturfeste und bunte Aktionsformen. Wichtig seien Kooperationen mit der Seebrücke zur Fluchtthematik und der örtlichen Friedensinitiative zur Gedenkarbeit. Sie verlässt die Bühne der Rohrmeisterei mit dem Appell keine rechtspoulistischen Aussagen stehen zu lassen und nicht müde zu werden in Alltagssituationen Zivilcourage zu zeigen.

Einen Abschluss, der über 16 Jahre erfolgreich gelaufenen Reihe, findet am 7. Dezember statt; im Weihnachtsspezial mit Edith Börner und ihrem Programm „Generation: fit & fertig – Mit gutem Karma zur Biotomate“: Jede Generation hat ihre eigene Macke. Die Babyboomer und postmaterielle- nach-68er-Generation revoltiert, damals wie heute, mit Konsumkritik und Aktionismus. Da wird gewellnesst, meditiert, Biotomaten gezüchtet und eine ganze Generation walkt am Stock durch heimische Grünanlagen. So viel Leben war noch nie!

Tickets für 27€ gibt es auf der Internetseite www.rohrmeisterei-schwerte.de, per Mail info@rohrmeisterei.de oder unter Tel. 201 3001.

PM: Stadt Schwerte

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