Die Schwerter Kultur in Zeiten von Corona – ein Rück- und Ausblick

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Symbolfoto-Welttheater der Straßen 2019, Foto: © Thomas Schmithausen

Hinter uns liegt ein Jahr, das für die Kulturszene schwierig, bewegt und eine Herausforderung war. Die gesamte Kultur- und Veranstaltungsbranche war besonders hart von der Coronakrise betroffen, die Künstler*innen genauso wie viele andere verbundene Branchen, u.a. Veranstalter*innen, Technikfirmen, Grafikdesign oder Agenturen. Das hat sich auch bei uns in Schwerte niedergeschlagen. 

Nach einem guten Start in das neue Kulturjahr mit der Hair-Aufführung des Theaters  am Fluss (TaF), der von der Kulturinitiative Schwerter (KIS) ins Leben gerufenen Vernetzungskonferenz der heimischen Musiker*innen, den ersten Veranstaltungen des Kulturbüros aus den Reihen Schwerte liest und Schwerter Kleinkunstwochen, machte Corona weiteren kulturellen Planungen einen Strich durch die Rechnung. Die meisten der etablierten Veranstaltungen, Aufführungen und Ausstellungen mussten ausfallen.

Gleichzeitig hat sich einmal mehr gezeigt, wie sehr die hiesige Kulturszene vom Engagement aller Akteur*innen lebt. Zahlreiche große und kleine Projekte wurden gegen alle Widrigkeiten und unter verantwortungsvoller Berücksichtigung des Infektionsschutzes erdacht und umgesetzt. Möglich wurde das durch individuelles Engagement und solidarischen Zusammenhalt unter den Kulturschaffenden. Viele dieser Projekte konnten vom Kulturbüro und der Kulturinitiative unterstützt werden. Außerdem hatten Kulturbüro und Stadtmarketing mit der KulturHilfeSchwerte kurzfristig ein crowdfunding auf den Weg gebracht.

Das Autotheater unter Federführung des TaF und Mainmix OnStage brachte in Zusammenarbeit mit Rohrmeisterei und Kulturbüro viele lokale und regionale Bands, Theater- und Kleinkunst auf die Bühne. Das offene Adventssingen wurde als Gemeinschaftsproduktion verschiedener Schwerter Akteur*innen (Schwerter Mitte, Studio 7 und Ruhrtal-Singen) in den virtuellen Raum von YouTube verlegt. Weitere innovative online Projekte wurden umgesetzt, u.a. von FaktorRuhr und Ruhrstadtorchester. Die Konzertgesellschaft konnte einen Großteil der Veranstaltungen corona-konform durchführen. Die Expo Schwerte 2020 der Bürgerstiftung Schwerter Mitte und der KIS wurde als Fenster-Ausstellung in der Innenstadt realisiert mit Beteiligung zahlreicher Künstler*innen. Auch die Gedichte-Werkstatt der Schwerter Mitte mit vielen heimischen Lyrik-Beiträgen wurde alternativ online und als Fensterausstellung um-konzipiert. Andere Ausstellungen konnten corona-konform im Wuckenhof stattfinden, dort hatte das Kulturbüro auch das Lesefenster im Rahmen von Schwerte liest als Reihe installiert. Das Zwischenraum Atelier präsentiert in der Reihe „Hof-Bilder“ Kunst am Zaun seines Vorhofes. 

Die von rostlicht initiierte Runde um’n Block am Wochenende des abgesagten Welttheaters erlebte einen spektakulären Zusammenschluss der Schwerter Szene, mit lokalen und auswärtigen Profis, Amateur*innen, Jugendlichen, unterstützt von Sponsoren, Kulturbüro und vielen engagierten Helfer*innen. Zahlreiche musikalische Gemeinschafts- und Einzelprojekte entstanden, wie das „Wir“-Projekt oder die insgesamt vier Schwerter-Songs und ein Hennen-Song. STUDIO 7 Theater hat auf der Heide den ganzen Sommer jedes Wochenende Open-Air-Veranstaltungen mit ganz unterschiedlichen Gästen durchgeführt, dem Circus ReFugi frischen Wind eingehaucht, sich online international vernetzt und Alternativen erprobt. Javana hat verschiedene online-Format kreiert. Die Kulturinitiative hat zur Unterstützung der heimischen Künstler*innen käufliche Musikangebote auf die Webseite gestellt und in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing eine Verkaufsplattform für Kunst sowie in Kooperation mit der Stadtverwaltung die Ausstellung „Das Bild des Monats“ im MitMachBüro am Markt eingerichtet. Diese genannten Aktionen stehen beispielhaft für die trotz Corona gestarteten Kultur-Aktionen 2020 in unserer Stadt.

Kulturbüro und KIS haben Informationen über die wechselnden Hilfs- und Förderprogramme für Kulturschaffende verbreitet. Aus der Schwerter Szene sind dementsprechend zahlreiche Anträge bei den Programmen von Bund und Land gestellt und zum Teil bewilligt worden. Diese finanzielle Unterstützung ist unverzichtbar.

Denn auch im neuen Jahr wird uns die Pandemie beschäftigen. Für die Profis der gesamten Kultur sind die aktuellen Beschränkungen existenzbedrohend. Eine ganze Branche ist wirtschaftlich gefährdet.

Und gerade jetzt spielt Kultur eine so wichtige Rolle. Kultur bedeutet Austausch und Begegnung der Menschen, Kultur bildet, schafft Identität und informiert. Das gilt für alle Bereiche, auch die ehrenamtlich oder semi-professionell getragenen Kultur. All das muss ermöglicht und erhalten werden.

Der Ansturm auf die kulturellen Förderprogramme von Bund und Land aller Sparten zeigt, dass einerseits der Bedarf groß ist und andererseits Kreativität und Ideen vorhanden sind. Genau das lässt sich auch in Schwerte beobachten. Auch beim Kulturbüro sind mehr Anträge für Kulturförderung eingegangen als zuvor, viele davon mit frischen Ideen. Bei allen Schwierigkeiten liegt hier eine Chance für die Zukunft. Wir erleben derzeit neue zukunftsweisende Impulse für eine lebendige Kultur, die alle Menschen erreicht und einen gesellschaftlichen Mehrwert erzeugt.

Dafür benötigt die Kultur mehr und langfristige finanzielle Unterstützung, die es ermöglicht, Strukturen zu erhalten und zu stärken oder auch ganz neue aufzubauen. Hier ist die kommunale Politik genauso gefordert wie die Bundes- und Landespolitik. Es sind neben den Leuchtturmprojekten auch gerade die vielen kleinen Kultur-Aktionen, die eine Stadt lebendig werden lassen und die in Zeiten voller Ängste und Sorgen die Corona-Pandemie für einen kleinen Moment in den Hintergrund treten lassen. Auch deshalb brauchen wir eine lokale Kulturförderung, die ihren Platz auch im städtischen Haushalt findet. Wir hoffen, dass dieses dringende Anliegen auch ein Thema des neu besetzten Rates sein wird.

PM: KuWeBe

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