Seit dem 1. April 2001 ist die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) mit ihrer Hauptverwaltung in Schwerte-Geisecke und den fünf Wasserwerken entlang der Ruhr täglich verlässlich für die Trinkwasserproduktion für 1,5 Mio. Bürger und die Industrie im WWW-Versorgungsgebiet verantwortlich.
Die Geburtsstunde der Wasserwerke Westfalen GmbH im Jahr 2001 fiel in die Hochphase des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Aufgrund flächendeckender Schließung von Kohle, Stahl und auch Bier wurde in der Region deutlich weniger Trinkwasser benötigt – der Verbrauch war beinahe um die Hälfte gesunken. Um diesen veränderten Bedingungen erfolgreich zu begegnen, schlossen sich die zwei großen Trinkwasserversorger Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) und Gelsenwasser AG zusammen und gründeten ein neues Unternehmen.
Historie
„Ein Bergwerk hat den Wasserverbrauch einer 20.000 Einwohner-Stadt“, sagt die Faustformel. Klar, dass die Wasserwerke – für den großen industriellen Durst der Region ausgelegt – infolge des Strukturwandels Überkapazitäten haben. Die Auslastung einiger Werke droht mittelfristig unter die 50 %-Marke zu fallen. In Anbetracht dieser Ausgangssituation ist die Idee der Zusammenfassung der Wasserwerke an der Ruhr zur Verbesserung der Auslastung und der damit verbundenen Kostenstruktur entwickelt worden.“ So der O-Ton und die Überlegungen unserer heutigen Gesellschafter DEW21 und Gelsenwasser im Jahre 2000. Dann ging alles verhältnismäßig schnell: zum 01.01.2001 gründeten sie gemeinsam die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW), an der beide Unternehmen jeweils 50 % Anteile halten.
Zum 01.04.2001 nahm WWW dann bereits den operativen Betrieb auf. Insgesamt acht Wasserwerke wurden in dieser neuen Gesellschaft zusammengeführt – die Wasserwerke Echthausen, Halingen und Witten von Gelsenwasser und die Schwerter Werke Hengsen (Sitz der Hauptverwaltung), Villigst, Ergste sowie Westhofen 1 + 2 von DEW21 – und mit ihnen die damals insgesamt 175 Mitarbeitenden. Aufgabe von WWW ist seither die Gewinnung, Aufbereitung und Förderung von Trinkwasser für die Gesellschafter, deren Geschäft die Wasserversorgung der Kunden geblieben ist.Das damals vorgegebene Ziel war es, die derzeit acht Wasserwerke auf fünf zu reduzieren. Die Werke Ergste und Westhofen 2 wurden schon vor längerer Zeit stillgelegt, das Werk Villigst wurde frisch Ende letzten Jahres vom Netz genommen, sodass diese Mission zeitlich passend zum Jubiläum erfüllt ist. Die Schließungen der drei Werke liefen im Zusammenspiel mit dem Bau der neuen weitergehenden Aufbereitungsanlagen (WAA) in den anderen Werken. Mit Inbetriebnahme der WAA in Halingen im Jubiläumsjahr stellen nun fünf große hochmoderne Wasserwerke im Netzverbund mit Gelsenwasser und DEW21 die Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet (Teilbereiche des südlichen Münsterlands, des mittleren und östlichen Ruhrgebiets sowie des nördlichen Sauerlands) sicher.
Regenerative Energiegewinnung bei WWW
Neben der Trinkwasserförderung produziert Wasserwerke Westfalen regenerative Energie in einer Größenordnung von jährlich bis zu 30 Millionen kWh je nach Wasserführung der Ruhr (29,5 Mio. kWh in 2024, 17,5 Mio. kWh in 2025) mit Wasserkraft- und Photovoltaikanlagen. Und neuerdings auch mit zugekaufter Windkraft aus der Region. Der Einsatz dieser Energien deckt im Durchschnitt über 40% des für die Trinkwasserproduktion benötigten Strombedarfs.
Unternehmerisches Handeln
WWW stellt sich nicht nur erfolgreich aktuellen Themen der Wasserwirtschaft wie dem Umwelt- und Gewässerschutz, den Auswirkungen des Klimawandels sowie einer in diesem Rahmen zukunftssicheren Aufstellung der Trinkwasserversorgung. Mit der aktuellen Geschäftsführung Bernd Heinz und Friederike Konold-Rüsel gestaltet sie diese in Zusammenarbeit mit den wichtigen Branchenverbänden wie beispielsweise AWWR, BDEW und DVGW und der Politik signifikant mit.
Die Digitalisierung der eigenen Prozesse und die Sicherung der zukünftigen Energie- und Stromversorgung durch den Ausbau regenerativer Energiegewinnung stehen ebenfalls im Fokus des unternehmerischen Handelns. Im Sinne einer aktiven Mitgestaltung der Energiewende wird die Gewinnung von grünem Strom stetig maximiert. Zudem wird im Jubiläumsjahr der Ausbau aller Wasserwerke mit modernster Aufbereitungstechnik (WAA) mit der Inbetriebnahme der WAA Halingen erfolgreich abgeschlossen.
Für die Erfüllung all dieser Themen sind engagierte und bestens qualifizierte Mitarbeitende erforderlich. Mit einer vorausschauenden Personalplanung und -gewinnung, individuellen Weiterbildungsmöglichkeiten und dem erfolgreichen Start als Ausbildungsbetrieb im Jahr 2025 handelt WWW mit Weitsicht.
Alles in allem ist Wasserwerke Westfalen also bestens für heutige und zukünftige Herausforderungen aufgestellt.
2Ob heiße Sommer und extreme Dürrephasen der Jahre 2018 bis 2020, Pandemie, Jahrhunderthochwasser im Sommer 2021 oder Black-out-Szenarien seit 2022 – die Trinkwasserversorgung war und ist bei WWW stets sichergestellt.
Versorgungssicherheit in Zeiten des Klimawandels
Niedrigwasser
Ein Thema, das für WWW Priorität besitzt, ist der Klimawandel. Dass dieser auch in unserer Region angekommen ist, ist längst nicht mehr zu übersehen. Die Jahre 2018 bis 2020 sendeten mit ihren Rekordtemperaturen und langanhaltenden, extremen Dürrephasen ein deutliches Signal, dass es für die Wasserwirtschaft an der Zeit war, sich mit einem angepassten Niedrigwassermanagement auf neue Bedingungen vor- zubereiten.
Wasserwerke Westfalen wie auch die anderen Mitgliedsunternehmen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR) setzten sich daher intensiv für eine Anpassung des Ruhrverbandsgesetzes mit neuen zukunftsfähigen und versorgungssicheren Niedrigwasserabflüssen der Ruhr ein. Dem zur Sicherstellung der Trinkwasser-Daseinsvorsorge dringend erforderlichen Anliegen wurde Ende 2024 endlich stattgegeben. In 2025 konnte der Ruhrverband erstmals vorausschauend die flexiblere Fahrweise einführen, die dann auch direkt in dem Jahr dringend notwendig war, denn:
Die Ruhr ist für die Trinkwasserversorgung unserer Region alternativloser Rohwasserspender. Die Talsperren des Ruhrverbands wiederum sind für die Ruhr unverzichtbare Vorlieferanten, die neben dem Hochwasserschutz überlebenswichtigen Speicherraum zur Überbrückung von Trockenphasen vorhalten. Aus ihnen speist sich der Fluss, der auch schon ohne Klimawandel im Sommer trockenfallen würde.
Diese Ressource muss sinnvoll gesteuert werden und darf in Trockenzeiten nicht zu viel Wasser in die Ruhr leiten, das hinterher im Spätsommer schmerzlich fehlt.
Hochwasser
Im Juli 2021 kam es zu extremen Unwettern, die uns mit katastrophaler Macht die andere Seite des Klimawandels und der in Folge verstärkten Extremwetterereignisse vor Augen führten. Innerhalb von 24 Stunden fielen im Mittel 90 Liter Regen pro Quadratmeter, so viel wie normalerweise im gesamten Monat. In Folge dieses Starkregenereignisses kam es auch zur Freisetzung großer Wassermassen in der Ruhr und zu massiven Überschwemmungen in ihrem Umfeld – so auch in unseren Wasserwerken.
Für WWW sind Hochwässer und überflutete Wassergewinnungsgelände keine Besonderheit, aber die Schnelligkeit und Vehemenz dieses Jahrhunderthochwassers machte die üblichen Sicherheitsvorkehrungen unmöglich und führte zu größeren Schäden in unseren Wassergewinnungsanlagen und Wasserwerken. Auch an unseren Wehranlagen kam es durch die Unmengen an Treibgut, die die Ruhr in rasantem Tempo heruntergeschwemmt wurden, zu Problemen und Beschädigungen. Dennoch gab es bei WWW keine Einschränkungen in der Trinkwasserversorgung. Eine weitere Aufgabe im Rahmen der Gewährleistung der Versorgungssicherheit ist seit diesem Ereignis die Anpassung der WWW-Infrastruktur an die veränderten Maßstäbe und höheren Pegel beim Hochwasserschutz. Das Thema Hochwasserschutz begleitet uns also weiterhin als eine der vorrangigen Herausforderungen.
Ausbau Gewinnung regenerativer Energie / Eigenstromnutzung
Wasserwerke Westfalen hat seit jeher einen großen Strombedarf. Bei der Wasserkraft bestehen allerdings keine weiteren Möglichkeiten, die Energiegewinnung zu maximieren. Daher ist der Bau von Photovoltaik-Anlagen, kurz PV-Anlagen, das zukunftsfähige Mittel unserer Wahl.
Seit vielen Jahren existieren in den Wasserwerken bereits kleinere PV-Anlagen auf den Dachflächen der Betriebsgebäude. Mit dem Bau der „Weitergehenden Aufbereitungsanlagen“ (WAA) in allen WWW-Wasserwerken kamen neue Flächen hinzu. Die Dächer der WAA sind über 80 Meter lang und 35 Meter breit und boten sich hervorragend zur Errichtung von PV-Dachflächenanlagen an. Bis zu 1,4 Mio. kWh/a grüner Strom können über die fünf neuen PV-Dachflächenanlagen auf den WAA-Gebäuden erzeugt werden.
Ein weiterer Meilenstein beim Ausbau der Regenerativen: Nach aufwändigem Genehmigungsverfahren wurde 2021 im Wasserwerk Echthausen die erste PV-Freiflächenanlage ihrer Größe mit 750 kW Spitzenleistung errichtet. Bis zu 650.000 kWh grünen Strom kann die über 6.000 m² große Anlage jährlich zur Eigennutzung produzieren. Weitere Anlagen sind geplant. Die für Witten befindet sich bereits im Genehmigungsverfahren.
Somit beschreitet WWW den Weg zu dem Ziel, den Energiebedarf mit immer größer werdenden Anteilen selbst produzierten Stroms abzudecken, bereits erfolgreich. Die solare Eigenerzeugung passt zudem gut zu dem erhöhten Trinkwasser- und damit Strombedarf in den Sommermonaten.
Neben der eigenen Wasserkraft- und PV-Produktion erfolgt seit Anfang des Jahres ein vergrößerter Grünstrombezug über Power-Purchase-Verträge (PPA) aus Windkraftanlagen. Nach einem Pilot-PPA mit rd. 0,6 Mio. kWh/a seit 2023 bezieht WWW nun aus drei zusätzlichen Windkraftanlagen Strom über weitere 3 Mio. kWh/a.
Letztlich kommt der hohe Anteil regenerativ erzeugten Stroms auch der CO2-Bilanz unseres Trinkwassers zugute und ist neben der Vorhaltung von Notstromaggregaten ein weiterer Baustein für die Versorgungssicherheit im Blackout-Fall. Einen ersten Realitätstest hierzu gab es von Oktober des letzten bis März dieses Jahres: das Wasserwerk Echthausen war von mehreren Blackouts durch schwere 10kV-Netzstörungen betroffen. Der längste Ausfall betrug 36 Stunden. Die Wasserversorgung für
300.000 Menschen war dennoch jederzeit gesichert, da das Notstromkonzept perfekt funktionierte. Tagsüber mit Unterstützung des Inselbetriebs durch die PV-Anlagen.
Resilienz der Versorgungssysteme
Resilienz beinhaltet heute – bei veränderter Sicherheitslage – auch Maßnahmen gegen Cyberattacken und einen umfassenden klassischen Objektschutz. Über Zertifizierungen und ständige Weiterentwicklung von Technik, Organisation und Mitarbeitenden wird ein hohes Sicherheitsniveau auch bei akuten Lageveränderungen gewährleistet.
Ein Kernelement ist der Ausbau des Versorgungssystems mit den Gesellschaftern zu einem regionalen Verbund vom Ruhrgebiet bis nach Ostwestfalen, einhergehend mit vielfältigen Investitionen. Hierdurch wird kosten- und versorgungsoptimiert auch künftig eine zuverlässige und qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung für Westfalen gesichert.
PM: Wasserwerke Westfalen GmbH






