UNTERWEGS ZUR SEELE – Der eigenen Seele Raum geben

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Sigrid Reihs. © Thomas Schmithausen

Eine Kolumne von Sigrid Reihs

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Ich weiß nicht, ob Sie sich diese Frage schon einmal gestellt haben, weil eigentlich ist die ja so da. Aber auch wenn sie immer da ist; wie genau kennen wir sie eigentlich, unsere eigene Seele? Dass wir sie wenig kennen, spüren wir am ehesten dann, wenn sie auf einmal krank ist, genauso krank wie der Körper krank sein kann. 

Und ie erste Frage, die sich dann stellt für mich ist: Wann habe ich, wann haben Sie ihrer Seele das letzte Mal zugehört? Wann haben Sie das letzte Mal darauf geachtet, was Ihre Seele Ihnen eigentlich sagen möchte?

 Wann haben Sie das letzte Mal darauf geachtet, was Ihnen Ihr Körper eigentlich sagen möchte? Das gelingt den meisten Menschen noch eher. Aber wann haben Sie das letzte Mal Ihrer Seele zugehört?

Das ist nicht so einfach. Und das muss man üben! Das geht mir so wie jedem anderen auch. Und ich übe das jede Woche donnerstags abends von 19.00-20.30 Uhr. Dann sitze ich mit einigen anderen auf meinem Meditationsbänkchen und tue nichts anderes als Schweigen. 

Das klingt für die meisten eher etwas merkwürdig, aber es ist die Voraussetzung dafür, dass ich dann irgendwann auch höre, was meine Seele mir erzählt. Denn in diese Stille hinein höre ich auf einmal ganz viel. Das kann auch erst einmal ein großes Geplapper sein. Ein unaufhörliches Geplapper von inneren Stimmen, von meiner Seele, die ganz viel loswerden will, was ich im Rest der Woche kaum hören konnte. Aber wenn ich mir die Zeit nehme, dort hinzugehen in diese Stille und meiner Seele zuzuhören, dann entdecke ich auf einmal, wie ich eigentlich ticke, wie ich reagiere auf Dinge, die geschehen. Dass es Dinge gibt, die mich antriggern, auf die ich immer wieder in gleicher Weise reagiere. Und wenn ich meiner Seele zuhöre, dann erzählt sie mir auch, warum das so ist, welche Verletzung, welcher Schmerz mich dazu veranlasst, immer wieder so zu reagieren. 

Im besten Falle komme ich auf diesem Weg der Übung dazu, dass es nicht so bleiben muss wie es ist; dass der Schmerz, der mich innerlich ausfüllt, einfach dadurch, dass ich meiner Seele Raum gebe, dass ich ihr zuhöre, kleiner wird, mir bewusster wird und ich damit die Möglichkeit eröffne, etwas anders zu machen. 

Die Stille brauche ich, damit ich meiner Seele nicht immer dazwischen plappere; dass ich ihr die Zeit und den Raum gebe, den sie braucht, um mir das zu sagen, was sie mir sagen möchte. 

Wir wissen alle, oder zumindest die meisten von uns, dass uns früher oder später unsere Lebensgeschichte einholt. Der Versuch, unsere Seele zum Schweigen zu bringen, ziemlich aussichtslos ist. Sie schafft sich Raum. Es ist viel viel heilbringender für jeden und jede von uns, unserer Seele diesen Raum und dieses Gehör zu geben. 

Unsere Geschichte, unsere Schmerzen sind Teil von uns. Es ist ganz, ganz wenig erfolgreich, den Versuch zu unternehmen, sie wegzubekommen. Sie kommen immer wieder. Es ist viel, viel heilsamer zu lernen, mit unseren Verletzungen, unseren Schmerzen zu leben und sie vielleicht sogar zu umarmen. Das ist die Quelle von Mitgefühl mit uns selbst und dann auch von Mitgefühl für die anderen. 

Wir entdecken, wenn wir unserer Seele zuhören, welche tiefen Bedürfnisse in uns sind, und selbst wenn sie nicht befriedigt werden können, haben wir auf einmal die Gewissheit, dass sie da sind und dass sie uns bestimmen können, wenn wir ihnen keine Achtsamkeit zuwenden. Insofern ist dieses der erste Schritt zur Heilung und zu einem heilsamen Umgang mit uns selbst. 

Die Achtsamkeit für die Seele ist der wichtigste Schritt, den wir tun können, um uns selbst ein bisschen mehr zu heilen. Und dazu möchte ich Sie, Euch alle einladen. 

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