Marienkrankenhaus rutscht wegen Covid 19 in die Verlustzone

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Geschäftsführer Jürgen Beyer (r.) und der Ärztliche Leiter, PD Dr. Thomas W. Spahn, kritisieren die Corona-Politik in Berlin und Düsseldorf. Fotos: Marienkrankenhaus Schwerte

Seit einem Jahr hält Covid 19 das Marienkrankenhaus Schwerte fest im Griff. Besonders seit der zweiten Infektionswelle ab November stehen beide Klinikstandorte unter Dauerstress.

„Die Mitarbeitenden geben seit Monaten alles, um der Pandemie Herr zu werden. Mit durchschnittlich 30 Covid 19-Patienten, die wöchentlich bei uns behandelt werden, bewegen wir uns am Limit. Sie bezahlen dafür  einen hohen Preis: Über 70 Mitarbeitende haben sich bislang berufsbedingt an Covid infiziert. Eine Woche konnten wir uns Anfang Februar über eine leichte Entspannung freuen, jetzt gehen die Zahlen der Patienten wieder in die Höhe“, erklärt Chefarzt PD Dr. Thomas W. Spahn.

Was die Situation nicht nur für die Mitarbeitenden besonders bedrückend macht, ist die wirtschaftliche Situation der Klinik. „Wir sind ein gesundes Haus. Aber je länger die Pandemie dauert, desto mehr ziehen sich die politischen Verantwortlichen in Berlin und Düsseldorf zurück und verlieren die Krankenhäuser aus den Augen.“, sieht Geschäftsführer Jürgen Beyer für alle Krankenhäuser dunkle Wolken am Horizont aufziehen.

Von März bis Ende September seien für beide Standorte Ausgleichszahlungen geflossen. „Wir haben das OP-Programm komplett heruntergefahren und damit einen Einbruch bei den Erlösen verbucht. Das war politisch so gewollt und war absolut sinnvoll. Um über die Runden zu kommen, gab es mit Beginn der 2. Welle ab dem 18. November wieder Ausgleichsgelder. Aber nicht für alle Krankenhäuser und auch nicht für die Schützenstraße. „Ausgleichszahlungen sind u.a. an den Inzidenzwert 70 gekoppelt. Liegt dieser im Kreis Unna unter 70, gibt es keine Zahlungen mehr. Die wirtschaftliche Situation hat sich deutlich verschärft und spitzt sich weiter schnell zu, wenn nicht politisch gegengesteuert wird“, macht sich Jürgen Beyer große Sorgen. „Unabhängig vom Inzidenzwert sind wir weit davon entfernt, unseren Klinikalltag als Regelbetrieb beschreiben zu können. Die Erlösseite ist in fast allen Krankenhäusern komplett eingebrochen.“ 

Am 24. Februar soll der Expertenbeirat in Berlin eine Empfehlung auf Basis eines ausstehenden Gutachtens über die wirtschaftliche Gesamtentwicklung der Krankenhäuser unter Corona im Jahr 2020 beraten. Laut Beyer muss hier zwingend eine grundlegende und belastbare Lösung für die Klinken geschaffen und eine weitere Zuspitzung der sich abzeichnenden Krise für die Kliniken verhindert werden.

Das im schlimmsten Fall die medizinische Grundversorgung mit einer bundesweiten Insolvenzwelle  auf dem Spiel steht, unterstreicht der Ärztliche Leiter Dr. Spahn: „Die Pandemie hat doch noch einmal deutlich vor Augen geführt,  was es bedeutet, über viele Kliniken und Intensivbetten zu verfügen und vor allem über geschultes Personal, dass jeden Tag zur Bekämpfung der Covid 19-Lage die Grenzen der Belastbarkeit verschiebt.“

Er befürchtet, dass die politischen Entscheidungsträger durch die Hintertür die Kliniklandschaft reformieren will. „Wenn Berlin und Düsseldorf das so regeln möchten, sollten auch klar die Folgen genannt werden – ein Gesundheitssystem, das nur auf Profit gedrillt ist und eine flächendeckende, medizinische Grundversorgung der Menschen nicht mehr gewährleistet.“  

PM: Marienkrankenhaus Schwerte

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