Von Meike-Corina Kühne-Schmithausen
Ein Wisch nach rechts, ein Klick nach links – und zack: glatte Haut, größere Augen, schmalere Nase. Willkommen im Zeitalter der Filter. Wir leben in einer Welt, in der man nicht mehr einfach ein Foto macht, sondern sich erst einmal „optimiert“. Für alles gibt es einen Filter. Für schlechte Haut, für schlechte Laune, für ein angeblich besseres Ich. Aber macht uns das wirklich schöner?
Ob Mann oder Frau – das Schönheitsideal von heute ist kein Zufall mehr, es ist programmiert. Nicht nur Make-up kann ein Bild verzerren, sondern vor allem diese kleinen digitalen Zaubertricks auf unseren Smartphones. Geräte, denen wir immer mehr Aufmerksamkeit schenken als uns selbst. Wir vergleichen uns nicht mehr mit echten Menschen, sondern mit Versionen, die es so gar nicht gibt.
Und als wäre das nicht genug, sind Beauty-Eingriffe längst kein Tabuthema mehr – selbst bei sehr jungen Menschen. Lippen aufspritzen, Falten glätten, Nase korrigieren. „Gang und gäbe“, sagt man heute. Aber warum eigentlich? Seit wann ist es normal, dass ein Gesicht aussehen muss wie eine weichgezeichnete App-Vorschau?
Macht uns das alles schöner? Ich glaube nicht.
Denn was passiert, wenn eine Falte im Gesicht nicht mehr sichtbar ist? Was sagt das über den Menschen aus? Ist er schöner – oder hat er einfach zu wenig Selbstvertrauen? Falten erzählen Geschichten. Von Lachen, von Weinen, von Leben. Sie sind kein Makel, sie sind Biografie.
Das eigentliche Problem ist nicht der Filter. Das Problem ist, dass wir anfangen zu glauben, ohne ihn nicht genug zu sein. Dass Natürlichkeit plötzlich als „mutig“ gilt und Echtheit als Ausnahme. Dabei liegt wahre Schönheit nicht im perfekten Bild, sondern im echten Blick, im ehrlichen Lächeln, im ungeschönten Moment.
Vielleicht sollten wir öfter den Filter ausschalten – nicht nur auf dem Handy, sondern auch im Kopf. Weniger vergleichen, mehr fühlen. Weniger Perfektion, mehr Persönlichkeit. Denn am Ende bleibt eine einfache Frage:
Wollen wir perfekt aussehen – oder echt sein?
Und ich weiß, wofür ich mich entscheide.






