Stellungnahme der Schwerter Grünen Fraktion zum Neubau der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule

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Archivbild

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
der Rat der Stadt Schwerte soll in seiner nächsten Sitzung am 5. Mai eine Entscheidung für den Neubau der TFG treffen.
Zur Wahl stehen verschiedene Möglichkeiten, wobei die vergleichsweise günstigste Ausführung – unter Einpreisung der zu erwartenden Baukostensteigerungen – rd. 50 Mio € kostet durch Umbau und Sanierung am vorhandenen Standort der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule oder mind. 80 Mio € durch Neubau auf der grünen Wiese irgendwo am Ortsrand.
Das Gutachten einer angesehenen Consultingfirma hat in einer Entscheidungsmatrix herausgearbeitet, dass beide Varianten praktisch gleichwertig zu betrachten sind: Jede Ausführung bietet Vor- und Nachteile unterschiedlicher Art, im Gesamtergebnis halten sie sich die Waage.
Dabei werden jedoch die zahlreichen Vorteile des jetzigen Standorts nicht hinreichend gewichtet: die Schule liegt zentral in der Stadt, ist für viele Familien fußläufig bzw. mit dem Fahrrad erreichbar. Die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel (Bahn und Bus) ist hervorragend.
Die Öffnung der Schule zur Stadtmitte hin ist ebenfalls sehr gut, so dass sich vielfältige Möglichkeiten auch zur außerschulischen Nutzung wie Kultur, Sport etc. bieten. Demgegenüber werden zahlreiche negative Aspekte eines neuen Standorts vermieden: Versiegelung von Landschaftsschutzgebieten, Grundstückskäufe, Erschließungskosten, voraussichtlich eine enorme Zunahme des täglichen PKW-Verkehrs sowie weitere Härten für die Nachbarn.

Schulbauten sind Pflichtaufgaben der Kommunen, für die es keine nennenswerten Fördermöglichkeiten gibt. Die Stadt müsste zwangsläufig allein für die TFG weitere 80 Mio.€ langfristige Schulden aufnehmen, die auch wieder getilgt werden müssen. Dazu kommt der geplante Neubau der Albert-Schweitzer-Schule mit ca. 17 Mio.€ und die vielen anderen Großprojekte der Stadt. Selbst bei üppiger Förderung durch Land und Bund verbleiben immer noch große städtische Eigenanteile.
Wir stehen gemeinsam in der Pflicht, für eine Haushaltspolitik einzutreten, die nicht spätere Generationen unverhältnismäßig stark belastet. Wenn es denn eine Möglichkeit gibt, statt 80 Mio.€ „lediglich“ 50 Mio.€ auszugeben, müssen wir die kostengünstigere Variante unbedingt ernsthaft ausloten. Dazu wären professionelle Baumanagement-Unternehmen und Bauplaner mit schulpädagogischer Expertise sowie Generalunternehmer mit der Aufgabenstellung zu betrauen, am Standort Bohlgarten bei laufendem Schulbetrieb das pädagogisch erforderliche Raumprogramm umzusetzen. Natürlich ist das eine auch logistisch anspruchsvolle Aufgabe, vor der sich aber qualifizierte, leistungsfähige Generalunternehmer wohl kaum bange machen.
Wir können uns schlechterdings nicht vorstellen, dass die ohnehin gewaltige Summe von 50 Mio.€ nicht ausreichen sollte, eine zukunftstaugliche TFG am bisherigen, hervorragend
geeigneten Standort zügig zu errichten. Ein zweites Allwetterbad-Desaster gilt es mit Entschiedenheit zu verhindern. Es würde für viele Jahre die Gestaltungsmöglichkeiten in unserer Stadt dramatisch begrenzen.
In diesem Sinne bitten wir Sie, Ihre bisherigen Überlegungen zum TFG-Neubau noch einmal zu überdenken und uns alle vor einer schicksalhaften Fehlentscheidung zu bewahren.


Mit besten Grüßen Fraktion der Grünen
Bruno Heinz-Fischer, Fraktionssprecher

Natalie Kirsch, Fraktionssprecherin

PM: Fraktion Die Grünen im Rat der Stadt Schwerte

1 KOMMENTAR

  1. Die Argumente der Schwerter Grünen, was die finanziellen Konsequenzen eines Schulneubaus anbelangt, sind stichhaltig. Aber: Ist dieser Stadt die Bildung ihrer Kinder nicht ebensoviel wert wie früheren Stadtvätern das Geprotze mit dem Spaßbad? Der Vergleich hinkt, zugegeben, aber dass in die Schwerter Schullandschaft sowohl inhaltlich-pädagogisch als auch (und vor allem) baulich mindestens soviel investiert werden muss wie ein Spaßbad kosten würde, ist ja unbestreitbar.
    Ich habe im Schulausschuss die Äußerung der TFG-Lehrkräfte so verstanden, dass sie sich einen Um- und Ausbau im laufenden Betrieb nicht vorstellen können, ihn für unzumutbar halten. Diese Furcht teile ich. Es müssen auf dem Schulhof und in direkter Nachbarschaft zu den bestehenden Unterrichtsräumen über Jahre Neubauten hochgezogen werden, bestehende Gebäudeteile müssen grundlegend umgebaut werden – und das bei laufendem Betrieb? Mit Kindern und Jugendlichen in unmittelbarer Nähe? Das schafft der pfiffigste Generalunternehmer nicht, ohne diese Kinder durch Lärm, Schmutz, Gestank und immer wieder neue Belastungen empfindlich zu stören.
    Gibt es wirklich keine Fläche, die Innenstadtnah und nahverkehrlich gut erreichbar ist?

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