Offener Brief der Schulgemeinde der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Schwerte

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Archivbild

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, 

sehr geehrte Damen und Herren des Rates der Stadt Schwerte! 

Wir, die Schulgemeinde der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule, möchten Ihnen unsere Sichtweise in der Diskussion um einen Neubau der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule darlegen. 

Die alten Schulgebäude der ehemaligen Realschule und der ehemaligen Hauptschule reichen für eine komplett ausgebaute Gesamtschule nicht aus. 

Hierzu möchten wir Ihnen an dieser Stelle einige Aussagen von Schülerinnen und Schülern vorstellen: 

„Unser Schulhof ist zu klein. Dort gibt es kaum Sitzmöglichkeiten oder Spielgeräte und keinen Platz zum Entspannen. Wir brauchen einen neuen großen Schulhof mit genug Platz zum Bewegen, Quatschen, Erholen, Spielen, Essen, …“ 

„Unsere Schule braucht eine fortschrittliche digitale Infrastruktur für fortschrittliches Lernen.“ 

„Wir brauchen überall mehr Platz: In den Klassen- und Kursräumen, in der Mensa und der Pausenhalle, auf dem Schulhof, in der Aula, im Ganztagsbereich, …“ 

Wir haben uns als Eltern, gemeinsam mit unseren Kindern, bewusst für die Theodor-Fleitmann-Gesamtschule entschieden. Unser erster Jahrgang kommt im nächsten Sommer in die Oberstufe. Viele von uns möchten auf jeden Fall, dass unsere Kinder dort auch die gymnasiale Oberstufe besuchen und ihre allgemeine Hochschulreife ablegen. 

Es darf nicht sein, dass Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern verunsichert werden, weil die Oberstufe am Standort in Frage gestellt wird. In der Öffentlichkeit muss klar Stellung bezogen werden, dass alle Schülerinnen und Schüler, die sich an der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule anmelden, eine sichere, schulische Zukunft an unserer Schule haben. 

Diese sichere Zukunft einer modernen Gesamtschule kann nicht am jetzigen Standort gewährleistet werden, denn die Gebäudestruktur der beiden alten Schulen aus dem dreigliedrigen Bildungssystem entspricht nicht den Standards einer Gesamtschule, die mit ihrem pädagogischen Konzept eine Schule für alle Kinder und Jugendlichen ist. Es fehlt an vielen Räumen, die zur Differenzierung und zum selbstgesteuerten Lernen zwingend erforderlich sind. Eine Ganztagsschule braucht auch Räume und Platz, wo sich Kinder und Jugendliche in ihrer Pause aufhalten, in Ruhe ihr Mittagessen einnehmen und auch vom Schulalltag abschalten können, auch diese Räume sind uns wichtig. 

Eine Kernsanierung eines schon seit langem maroden Gebäudes hätte täglichen Baulärm zur Folge. Daraus resultierende Folgen wären fehlende Identifikation mit der Schule, frustrierte Schülerinnen und Schüler und insgesamt eine mehr als suboptimale Lernumgebung für viele Jahre, die definitiv zu Lasten der Kinder und deren Schulabschlüssen gehen würden. Wir können uns einen Anbau oder Umbau der jetzigen Schulgebäude nicht vorstellen, denn dieser Umbau würde mehrere Jahre dauern und ein Ler-nen und Leben auf einer Baustelle würde der Qualität des Lernens schaden. 

Eine neugebaute Gesamtschule mit einem modernen pädagogischen Konzept wäre ein guter Lern- und Lebensraum für alle Beteiligten und würde auch für die Stadt Schwerte ein weiteres Aushängeschild für moderne und zukunftssichere Bildung und Ausbildung bedeuten. Die Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern, aber auch die Lehrerinnen und Lehrer der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule sind es auf jeden Fall wert, dass man sie wertschätzt und ihnen die gleichen Lern- und Lehrvoraussetzungen, wie an anderen Gesamtschulen, ermöglicht. Die Stadt Schwerte hat hier mit dem Neubau an einem neuen Standort eine einmalige Gelegenheit, um die sie viele andere Städte und Kommunen beneiden wür-den. Diese Chance, die eigene Schullandschaft qualitativ aufzuwerten sowie nachhaltig und zukunfts-orientiert zu gestalten, kommt so schnell nicht wieder. 

Zudem ist es der einzig logische Schritt, das pädagogische Konzept der Schulform Gesamtschule gewinnbringend für den Schulstandort umzusetzen. Jeder geäußerte Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Neubaus an neuer Stelle ignoriert nahezu jede bildungswissenschaftliche Erkenntnis der vergangenen 30 Jahre und missachtet den Bürgerwillen, den die Schwerter Bürgerinnen und Bürger mit dem Wunsch zur Gründung einer zweiten Gesamtschule mehr als deutlich artikuliert haben. 

Alle zusätzlich eingestreuten Diskussionen – wie über die Umwandlung der TFG in eine Sekundarschule oder die mangelnde Perspektive einer zweiten Gesamtschule am Standort – sind nichts anders als Scheindebatten, die nur aus bildungselitären Ängsten um Identitäts- und Einflussverlust rühren kön-nen. 

All dies bewegt uns als Schulgemeinde der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule sehr und deshalb unsere eindringliche Bitte an Sie: 

Wir möchten Sie als Bürgermeister und Sie als Mitglieder des Rates der Stadt Schwerte bitten, einem Neubau der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule zuzustimmen. Wir möchten uns auch gerne an den Planungen beteiligen, in dem Rahmen, welcher uns als Schulgemeinde zur Verfügung gestellt wird. 

Mit freundlichen Grüßen 

Aira Wieners (Schulpflegschaftsvorsitzende der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule) 

PM: Schulpflegschaft Theodor-Fleitmann-Gesamtschule

1 KOMMENTAR

  1. Als Gast der letzten Sitzung des Schulausschusses durfte ich der Vorstellung des
    pädagogisch-didaktischen Konzeptes der TFG beiwohnen und möchte dazu folgendes anmerken:
    1. Ein Neubau der TGF – so wünschenswert er ist – hätte schwerwiegende Auswirkungen auf
    für die nächsten Generationen unserer Stadt:
    – es ist unbestritten, dass ein Neubau mindestens 22 Mio € mehr kostet als ein Ausbau und eine
    Sanierung am aktuellen Standort so auch in der von der Stadt beauftragten Machbarkeiitsstudie nachzulesen.
    – es sollte unbestritten sein, dass auch die anderen 10 Schulen in Schwerte ein Recht darauf haben,
    ihr pädagogisch-didaktisches Konzept umsetzen zu dürfen. Aber dafür wird kein Geld bleiben.
    – Geld kann nur einmal ausgegeben werden und für viele unterstützenswerte Projekte wird kein
    Budget vorhanden sein. Die Eltern der Kinder der Kindertagesstätte werden wissen, wovon ich schreibe.
    Die Ausgaben für einen Neubau werden die Schwerter Bürger die kommenden 80 Jahre zahlen. Einen Aus- und
    Umbau würde Schüler und Lehrer ca. 3 Jahre belasten.
    2. Eine intensive Prüfung, wie weit bei der Sanierung mit Teilneubau am bisherigen Schulstandort die konkreten Anforderungen an Raum und pädagogischem Konzept umsetzbar sein können, hat es nicht gegeben.
    Konzepte zum Ausbau und -sanierung im laufenden Schulbetrieb, wurden nicht einmal angefragt. Dabei gibt es schon Erfahrungen, inkl. vollständigem Rückbau der Baukörper, Anpassung der Grundrisse, flexible Raumgestaltungs-Optionen, Umsetzung inklusionsrelevanter Aspekte wie Barrierefreiheit und Aufzugeinbau, Schadstoffbeseitigungen, Erneuerung der Heizungs-, Lüftungs-, Elektro- und Sanitärinstallationen IM LAUFENDEN SCHULBETRIEB bei z.B. zeitversetzter Sanierung getrennter Gebäude.
    Ein Architekturwettbewerb für den Ausbau und Sanierung der TFG am selbigen Ort wurde im Keim erstickt – stattdessen ca. 40.000 € für die Vermessung eines möglichen Standortes ausgegeben.
    3. Wer am Mittwoch für einen Neubau auf der Grünen Wiese stimmt, ist gegen eine schnelle Lösung für die Schüler*innen.
    Denn die Erschliessung von Grünflächen, d.h. der Bau der gesamten Infrastruktur mit Kanalisation, Wasser-,
    Strom-, Elektrizitätsanschlüsse und und und sowie die Erschliessung mittels Bau von Zugangsstrassen und ggf. Brücke wird ca. 3 JAHRE LÄNGER DAUERN, als auf bestehendem Bauland. Wenn der Neubau dann noch in Naturschutzgebiet und/oder Landschaftsschutzgebiet stattfinden soll, sind Klagen der Umweltverbände zu erwarten inklusive Normkontrollklage beim OVG,,,, locker noch mal 5 weitere Jahre dazu also.
    4. „Raum ist der 3. Pädagoge“ war die zentrale Aussage in dem Vortrag im Schulausschuß. Aber Raum ist auch
    Lebensraum – und die Schüler*innen, werden bei einem Neubau auf Naturschutz und Landschaftsschutzgebiet in dem
    Bewußtsein sein, dass ihre Schule, die Natur in Schwerte einen weiteren großen Schritt platt gemacht hat.
    Und vielleicht wird es 2035 – wenn dann der Neubau eingeweiht wird – die Schüler*innen von ‚Fridays for Future‘
    noch stärker als heute sein, da das Thema Klimaschutz immer wichtiger wird und Auswirkungen des Klimawandels noch deutlicher erkennbar sein werden.
    Happy to discuss
    Thomas

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