Geschichte hautnah erleben

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Foto: Olaf Fabian-Knöpges

In der ersten Woche der Herbstferien fand wieder das Historische Spiel für Kinder ab 7 Jahren statt. Die Vorlagen für die Spiele sind immer geschichtliche Ereignisse aus Schwerte und so feierten 95 Kinder und 44 Teamer in dieser Woche sich selbst in einer fernen Welt, die seit 1249 Jahren vergangen ist.  Karls der Große, mächtigster Herrscher in Westeuropa zu dieser Zeit hatte auch den Schwerter Raum nicht verschont. Sein Heer eroberte eine sächsische Burg, etwas unterhalb des heutigen Hohensyburg und zerstörte dort das heidnische Heiligtum. Dann machten sich seine Truppen auf dem Weg, das ganze Land zu kontrollieren. An diesem Punkt setzte das Spiel an: ein Teil der Spielgruppe blieb als sächsischer Teilstamm in Argeste und anderer Teil wanderte zwei Tage als fränkische Krieger zu Fuß dorthin. 

Ein dramaturgischer Kunstgriff, erklärte Olaf Fabian-Knöpges vom Historischen Spiel, denn beide Gruppen entwickeln in den beiden Tagen sehr unterschiedliche Identitäten. Die gr0ße Familie der Sachsen suchte mit Hilfe ihrer Seherin zu ihren Göttern Verbindung aufzunehmen, ein besonderer Baum sollte ihnen dabei helfen. Sie verständigten sich mit Klick- und Lachlauten und grüßten sich mit ausholenden Gesten. Die Franken wurden auf ihrem langen Marsch durch den nasskalten herbstlichen Regen zu christlichen Soldaten und sangen lateinische Kirchenlieder. Am Mittwoch trafen die beiden Welten aufeinander. Weder die Franken wussten, wie sich die Sachsen verhalten würden noch umgekehrt.

Der bittere Beigeschmack des Sieges

Die besiegten, heidnischen Sachsen, flüchteten aus ihrem Dorf, eine durchaus übliche Vorsichtsmaßnahme der Bevölkerung zu jener Zeit, erklärte Knöpges. Die Flucht hatte aber die Form einer schönen Wanderung. Die Sieger eroberten ein leeres Dorf. 

Der bittere Beigeschmack des Sieges, wenn die Besiegten fehlen, dauerte nicht lange, denn die Sachen kehrten zurück. Sie hatten alles verloren. Ihre neuen Herren waren nur zu Kompromissen bereit, wenn sich die Sachsen taufen ließen und dem neuen Grafen Clodio den Treueeid schwören würden.

„Besser als Christ im eigenen Haus als gar kein Haus“, entschied die 9-jährige Gallani. So fand am letzten Spieltag eine Massentaufe auf dem Marktplatz statt. 

Handwerk

Neben der Spielgeschichte spielt die Arbeit in einem alten Handwerk immer eine große Rolle im Historischen Spiel. Das Besondere in dieser Woche bestand in zwei Ofenreisen des selbst gebauten Tonbrennofens. Jede dauerte 24 Stunden und in der Nacht schlugen meterhohe Flammen aus dem Ofen, der die Form eines Drachens hatte und auf den Namen „Drago“ getauft wurde. „Er frisst gerne Holz, wenn er geweckt wird“, erklärte Galani, „Pflegerin“ den Ton speienden Drachen. Am Samstag konnten die gebrannten, bzw. glasierten Tonwaren abgeholt werden, nur ein Drittel hatte die Ofenreise nicht überlebt.

Text: Olaf Fabian-Knöpges

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